MB-Kritik

Atlantic Rhapsody 2026

Yin Fang
Roy Wang
Li Xueqin
Huang Miyi
Zhang Benyu
Huang Ziqi
Xue Baohe
何熙维
Shen Shiyu
Ding Zidi

Inhalt

Ein Supermarktmitarbeiter kocht versehentlich den Zierhai, der an seinem Arbeitsplatz gehalten wird. Kurz darauf beginnt er, geheimnisvolle Stimmen zu hören.

Kritik

Die Assoziation einer ozeanischen Oper, die der klangvolle Titel Zhong Kaifengs surrealen Spielfilm-Debüts evoziert, entpuppen sich als ironischer Gegenentwurf zum städtischen Setting. Dessen tonale Tristesse katalysiert die mechanische Monotonie einer getakteten Leistungsgesellschaft, in der sozialer Status und Prestige nur scheinbar zum Greifen nahe sind. Schwimmende Verkörperung dieses Ideals von Wohlstand und Anerkennung ist der Zierhai, der dem jungen Protagonisten bei seinem zermürbenden Supermarkt-Job täglich begegnet. 

Als Ding Mao (Yin Fang, Better Days) besagten Hai - in China ein traditionelles Symbol für Reichtum und Glück - quasi versehentlich verspeist, hat das bizarre Folgen. Verwirrende Visionen erinnern ihn an seinen seit Langem verschollenen Vater. In Tradition klassischer Helden begibt sich Mao auf die Suche nach seinen Wurzeln, irgendwo in der chinesischen Provinz. Unterwegs begegnen ihm eine Reihe kurioser Gestalten, von denen einige ihrerseits folgenschwere Konfrontationen mit Haien hatten. 

Das individuelle Scheitern dieses exzentrischen Ensembles verweist auf die schier unüberwindbaren Hürden zwischen Chinas ambitionierter Angestellten-Klasse und dem ökonomischen Aufstieg. Selbiger scheint stets verlockend greifbar, doch diejenigen, die wie ein unglücklicher Hai-Trainer, danach greifen, sind danach schlechter dran als vorher. Obwohl nicht sonderlich kreativ, sind die materialismuskritischen Metaphern durchaus unterhaltsam in ihrer plastischen Umsetzung. Ein im doppelten Sinn bissiger Kommentar auf die rigiden Werte einer postmodernen Gesellschaft. 

Fazit

Je weiter der junge Hauptcharakter Zhong Kaifengs süffisanter Selbstfindungs-Saga in die alternative Realität seiner Wunschträume und Erinnerungen abdriftet, desto abgehobener wird das Szenario. Jenes verlagert das klassische Konzept der Heldenreise und Vatersuche in einen konfusen Kosmos voller absurder Komik und abstrakten Konstrukten. Das fragmentierte Narrativ ist lediglich Vorwand für formale Spielereien und visuelle Experimente. Deren psychedelische Auswüchse rücken stilisierte Settings und immersiver Soundtrack näher an eine museale Installation denn konventionelles Kino. 

Autor: Lida Bach
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