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Inhalt

Jack Terry verdient seinen Lebensunterhalt auf ungewöhnliche Weise: Er zeichnet Geräusche für Horrorfilme auf: Als er eines Nachts mit seinem Aufnahmegerät auf einer einsamen Brücke steht, wird er Zeuge eines Unfalls. Präsidentschaftskandidat George McRyan verunglückt tödlich mit seinem Auto. Doch Jacks Tonbänder erzählen eine andere Geschichte. War der Unfall in Wirklichkeit ein Attentat? Und welche Rolle spielt Sally, die mit McRyan im Wagen saß? Auf der Suche nach der Wahrheit landet Jack in seinem eigenen ganz realen Horrorfilm.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Der einstige Alfred-Hitchcock-Eklektiker Brian De Palma („DieUnbestechlichen“), etablierte sich zum Ende der 1970er Jahre zu einem der wichtigsten und vielseitigsten Regisseure der New-Hollywood-Ära und entwickelte einen ganz eigenen, unverkennbaren Stil innerhalb der namhaften Garde renommierter Filmschaffender. Wie es die Branche aber nun mal so an vielerlei Position zum Lauf der Dinge macht, bröckelten nicht nur einige lose Partikel vom einst so schillernden Prestige De Palmas, der Mann hat sich seit dem Millennium nicht mehr von der Stelle bewegt und seinem nahezu anhaltenden Negativtrend mit dem sterilen Erotik-Thriller „Passion“ zuletzt die lustlose Krone aufgezwängt. Es bringt aber rein gar nichts, nun mit schmollender Miene über De Palmas Einsturz und endgültigen Niedergang zu krakeelen. Viel angenehmer ist es doch, noch einmal zurück in die Zeit zu reisen, in der man seinen Namen noch mit hochklassigem Output assoziieren durfte und einen Regisseur erlebte, der nicht nur die Stilismen seiner Vorbilder mit energischem Tatendrang frönte, er legte auch nicht viel Wert auf die Meinungen der Kritiker, die seiner sleazigen Modalität nicht immer die nötige Liebe entgegenbrachten.

Die künstlerische Hochzeit De Palmas lässt sich in den 1970-1980er Jahre entdecken, in denen der damals noch angenehm egozentrische Italoamerikaner nicht nur mit seiner seifig-giallesken „Psycho“-Neuinterpretation „Dressed to Kill“ gefiel, sondern beispielsweise auch das klassische „Rise & Fall“-Motiv mit dem Gangster-Epos „Scarface“ auf ein neues Level zu katapultieren wusste. Inmitten diesen - und vielen weiteren – gemeinhin als Klassiker deklarierten Werken, entstand auch „Blow Out“, ein düsterer Thriller mit waschechter Pulp-Ambition im Schlepptau. Und der hat es in vielerlei Hinsicht wahrlich in sich. Betrachtet man den Film vorerst aus der cineastischen Perspektive, wird es bereits hochinteressant, denn De Palma orientiert sich nicht nur an seinem Liebling Alfred Hitchcock, „Blow Out“ ist – wie er der Titel bereits einleitet – eine Hommage an Michelangelo Antonionis brillanten „BlowUp“ aus dem Jahre 1966, wie auch an den ästhetischen und durch die markante Farbgebung akzentuierte Usus eines Dario Argento („Profondo Rosso“). Es ist das reinste Potpourri an aufgegriffenen Stilelementen, mit denen Brian De Palma hier lustvoll ungeniert hantiert.

Wenn sich dann noch der informale Aspekt eines politisch-motivierten Paranoia-Thrillers in „Blow Out“ mischt, dann schnellen die Gedanken nicht unbegründet in die Richtung von Francis Ford Coppolas oftmals übergangener Großtat „Der Dialog“ von 1974. Im Vordergrund steht aber Jack Terry (John Travolta), der sein Geld als Tontechniker für billige Slasher-Movies verdient und durch einen Zufall – wie einst David Hemmings– Zeuge eines Verbrechens wird. Wie Antonioni, geht auch De Palma der Frage nach unserer Realität und der gefälschten Wahrnehmung unserer Wirklichkeit auf den Grund. Was zu Anfang in einer spitzbübischen Film-in-Film-Montage beginnt, in der ein furchtbar mieser Horrorstreifen als Geburtsstätte eines audiovisuellen Kunststücks steht, ist bereits in dieser Szene als symbolische Reflexion über Schein und Sein zu verstehen. Wem kann man in dieser Welt nun wirklich noch vertrauen? Die Antwort ist eindeutig: Weder den Menschen, noch den aufgezeichneten Geräuschen und schon gar nicht den Bildern. „Blow Out“ wird doppelbödig, ist in seiner Geschichte aber nie so verschachtelt, als dass die Handlung der visuellen Klasse irgendwie im Wege stehen könnte.

Und natürlich ist genau das wiedermal die große Stärke von „Blow Out“: Jede Einstellung scheint ein exzessiv durchkomponiertes, hervorragend kalibriertes Stil- und Zeitdokument. Hinter „Blow Out“ stecken nicht nur die Reminiszenzen an die strahlenden Vorbilder und die inhaltliche Suche nach einer objektiven Wahrheit, verwebt mit der abgründigen Verschwörungsgrundlage. „Blow Out“ manifestiert das verkaterte Zeitgefühl der Ronald-Reagan-Periode, in der nichts von der Aufbruchsstimmung des 68er-Jahrgangs übrig geblieben ist, in der die Hoffnungen auf die Verwirklichung einer besseren, schöneren Existenz in unser aller Zukunft brachliegen. Wenn De Palma „Blow Out“ dann schlussendlich in einer unfassbar zynischen Schlusspointe kulminieren lässt, dann weiß man einfach, dass in diesen Tagen die Welt noch in Ordnung war und der Mann auch vor dem makabersten Bruch angestaubter Konventionen keinerlei Scheu verspürte. Warum auch? „Blow Out“ ist formvollendete Kunst. Kunst, die man erleben muss, die inhaltlich in ihrer Verstrickung nicht das Gelbe vom Ei darstellt, die man aber Frame für Frame in sich aufsaugen darf und Minute für Minute genießen. Schön war es damals mit dem ollen Misogyn.

Fazit

Als Brian De Palma noch eine Vision hatte. „Blow Out“ ist reinrassiges Pulp-Kino, durch und durch geschmacklos und doch so brillant. Formalästhetisch beweist De Palma hier, dass er in den 1980er Jahren ohne Frage zu den stilsichersten Filmemachern überhaupt gezählt hat, inhaltlich handelt der ungemein referenzielle „Blow Out“ die Frage nach einer objektiven Wahrheit aus. Große, sleazige Kunst.

Kritik: Pascal Reis

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