5.0

MB-Kritik

Der 4D Mann 1959

Action, Sci-Fi, Horror, Romance – USA

5.0

Robert Lansing
Lee Meriwether
James Congdon
Robert Strauss
Edgar Stehli
Patty Duke
Guy Raymond
Chic James
Elbert Smith
George Karas
Jasper Deeter
John Benson
Jack H. Harris
Dean Newman
Jack B. Tinsley

Inhalt

Zwei Brüder, die Wissenschaftler Scott und Tony Nelson, entwickeln einen Verstärker, der es einer Person ermöglicht, in einen vierdimensionalen Zustand einzutreten, der es ihm ermöglicht, jedes Objekt zu passieren. Scott experimentiert an sich selbst und entdeckt, dass er jedes Mal, wenn er etwas durchläuft, schnell altert. Er fängt an, Menschen zu töten, ihre Lebensenergien auszusaugen und dadurch seine Jugend wiederzugewinnen. Es fällt Tony und Scotts Freundin Linda, zu versuchen, seinem mörderischen Amoklauf ein Ende zu setzen.

Kritik

Das klassische Science-Fiction-Kino der späten 1950er- und frühen 1960er-Jahre bringt eine Vielzahl an Arbeiten hervor, die zwischen kreativem Aufbruch und schlichtem Studiokompromiss pendeln. Manche dieser Titel haben sich als feste Größen etabliert, andere fristen ein Dasein irgendwo zwischen charmantem Kuriosum und rasch verblassender Erinnerung. In genau diese Zwischenzone fällt auch Der 4D Mann aus dem Jahr 1959 unter der Regie von , der kurz zuvor mit Blob, Schrecken ohne Namen vermutlich bereits den populärsten Titel seiner Karriere ablieferte.

Wissenschaft, Rivalität und emotionale Spannungen

Im Zentrum der Handlung stehen die Brüder Tony und Scott Nelson ( und ), zwei Wissenschaftler mit deutlich unterschiedlicher Herangehensweise. Während Scott eher kontrolliert, analytisch und vorsichtig agiert, ist Tony von Ehrgeiz und innerem Druck getrieben. Gemeinsam arbeiten sie an einem Verfahren, das Materie durchdringen und physikalische Grenzen überwinden soll – ein Durchbruch, der ihnen wissenschaftliche Anerkennung sichern könnte. Ergänzt wird das Duo durch die Kollegin Linda (), die nicht nur beruflich an ihrer Seite steht, sondern zugleich emotionale Spannungen in das Verhältnis der Brüder trägt. Aus fachlicher Zusammenarbeit wird so schleichend ein Geflecht aus Eifersucht, Besitzdenken und unterschwelliger Rivalität. 

Der entscheidende Einschnitt erfolgt, als Tony es gelingt, sich in einen Zustand zu versetzen, der ihn scheinbar außerhalb der bekannten Raumdimensionen existieren lässt. In dieser Form kann er feste Materie durchqueren, Mauern überwinden und nahezu ungehindert durch physische Barrieren gleiten. Doch diese Fähigkeit hat einen Preis: Jede Anwendung entzieht ihm Lebensenergie, die er nur durch den Kontakt mit anderen Menschen wieder auffüllen kann. Aus einer wissenschaftlichen Sensation wird damit ein gefährlicher Zustand permanenter Abhängigkeit. Tony verliert zunehmend die Kontrolle über sich selbst und entwickelt sich von einem getriebenen Forscher zu einer Figur, deren Handlungen immer stärker von Verzweiflung und Instinkt bestimmt werden.

Was zunächst wie die Exposition eines frühen Akts wirkt, nimmt tatsächlich bereits einen Großteil der Laufzeit ein. Der Aufbau des Konflikts zieht sich spürbar, ohne dass die Erzählung frühzeitig eine klare dramatische Zuspitzung findet. Viel Zeit wird auf die Einführung der Figuren und ihrer Konstellation verwendet, doch diese bleibt überraschend schematisch. Die Beziehungen wirken weniger organisch entwickelt als vielmehr funktional angelegt, um spätere Konflikte zu legitimieren.

Erzähltempo und Science-Fiction-Elemente

Wenn der Science-Fiction-Aspekt schließlich stärker in den Vordergrund rückt, zeigt sich zwar ein gewisser Reiz in der Umsetzung, doch die Möglichkeiten des Konzepts werden nur begrenzt ausgeschöpft. Die Idee des körperlosen Durchdringens von Materie besitzt zweifellos visuelles und erzählerisches Gewicht, bleibt jedoch in ihrer filmischen Ausarbeitung relativ repetitiv. Besonders die Darstellung von Tonys Energieentzug und seinen „Phasenwechseln“ wirkt aus heutiger Sicht eher zurückhaltend und kaum wirklich bedrohlich. Was einst vermutlich auf Spannung und Schrecken zielte, entfaltet heute eher eine naive, fast unbeschwerte Wirkung.

Trotz dieser Einschränkungen besitzt die Produktion einen eigenwilligen Reiz. Gerade im Rückblick entfaltet sich eine gewisse nostalgische Qualität, die aus der Einfachheit der Effekte und der klaren Gut-Böse-Zeichnung entsteht. Dennoch gelingt es dem Werk nicht durchgehend, diese Atmosphäre in eine wirklich tragende Spannung zu überführen.

Musik, Tonalität und Wirkung

Auffällig ist zudem die musikalische Gestaltung durch Ralph Carmichael, der später zum Pionier christlicher Popmusik werden sollte. Der Score setzt auf eine Mischung aus Jazz-Anklängen und ungewohnt verspielten Klangmustern, die häufig eher neben der Handlung zu stehen scheinen als sie zu unterstützen. Emotionale Spitzen werden dadurch selten verstärkt, sondern wirken teilweise sogar kontrastiert. Diese Entscheidung verleiht dem Geschehen eine eigentümliche Distanz, die nicht immer im Sinne der Inszenierung arbeitet, aber dennoch einen markanten akustischen Fußabdruck hinterlässt.

Unterm Strich bleibt ein Science-Fiction-Film, der mit einer interessanten Grundidee arbeitet, diese jedoch erzählerisch wie inszenatorisch nur begrenzt ausschöpft. Zwischen charmanter Naivität und struktureller Trägheit entsteht ein Werk, das mehr als liebenswertes Zeitdokument funktioniert denn als nachhaltig eindringliches Genre-Highlight.

Fazit

Überzeugt mit altmodischer Sci-Fi-Patina und einer reizvollen Idee, bleibt erzählerisch jedoch behäbig und dramaturgisch zu flach umgesetzt. Eine charmante Pleite.

Autor: Sebastian Groß
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