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In einem Gefängnis, in dem die Insassen in den oberen Stockwerken das gute Essen und die in den unteren nur Reste bekommen, kämpft ein Mann für Wandel.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Es ist nicht abwegig unser gesellschaftliches Klassensystem in Form einer Gebäudestruktur darzustellen. Ben Wheatley hat das mit High-Rise gemacht, Bong Joon-ho mit Snowpiercer und selbst der diesjährige Oscargewinner Parasite (ebenfallsvon Bong Joon-Ho) nutzte in seiner intensiven Regensequenz Höhenunterschiede um das gesellschaftliche Gefälle zwischen Reich und Arm zu verdeutlichen. Der aktuelle Netflix-Hit Der Schacht (im Original El Hoyo) bildet da keine Ausnahme, sondern treibt dieses inszenatorische Motiv sogar auf die Spitze. 

Viel offensichtlicher als durch den titelgebenden, senkrechten Schacht könnte man das Arm/Reich-Motiv nämlich gar nicht behandeln. Einen Monat müssen zwei Personen auf einem der unzähligen Level im Schacht überleben. Einmal am Tag kommt eine Plattform von oben herabgefahren, geschmückt mit den wunderbarsten Speisen. Selbstverständlich bietet die Plattform jedem Level im Schacht genug zu essen, die Einteilung der Verpflegung ist den Gefangenen aber selbst überlassen. Das bedeutet: Saus und Braus in den oberen Leveln, brutaler Kampf ums Überleben in den unteren. Solidarität ist im Angesicht des eigenen Todes plötzlich Nebensache.

Das allein bietet - neben all den systemkritischen Ansätzen - bereits ein gutes Spannungsmotiv. Denn ist der Monat einmal vorbei, werden alle Gefangenen wahllos auf ein neues Level verteilt. So auch unser Protagonist Goreng (mit viel Einsatz gespielt von Ivan Massagué - The Last Days), der als Augen des Zuschauers gleichsam die Vorzüge der oberen als auch den nackten Überlebenskampf der unteren Level miterleben muss. Das positive: Obwohl Der Schacht immer wieder droht unter all seinen gesellschaftskritischen Ansätzen unterzugehen, bleibt der Film durch die knackigen 94 Minuten, den wechselnden Gefahren als auch der nachvollziehbar gesponnenen Charakterentwicklung stets unterhaltsam.  So unverkennbar der Subtext nämlich auch sein mag, Der Schacht lebt nie allein von seiner "Message". Auf der Oberfläche folgt Regisseur Galder Gaztelu-Urrutia einem klaren und konsequenten Spannungsbogen.

Und das ist wichtig, denn hätte Der Schacht ausschließlich von seinem Subtext sowie den harten Goremomenten gelebt, wäre der Film nicht mehr als eine Symbolklotzerei der Marke Mother geworden (und dabei nicht halb so unterhaltsam). Wenn der Film gegen Ende in den Surrealismus abgleitet fühlt sich das aufgrund der vorhergehenden klaren Sturktur nie unverdient oder abgehoben ab. Stattdessen werden surrealistische Motive und rohe Horrormomente zu einem (im Großen und Ganzen) funktionierenden Filmteppich verwebt.  Gut so. 

Ist der aktuelle Internet-Hype aber erst einmal abgeklungen, wird Der Schacht trotz allen Vorzügen wohl den wenigsten wirklich im Gedächtnis bleiben. Dazu läd sich der Film insgesamt einfach zu viel auf: Neben einer Vielzahl Figuren, der undurchsichtigen Filmwelt sowie der Erkundung des Schachts gesellen sich mal eben so ziemlich alle existenzialistischen Motive, die man sich vorstellen kann. Vielleicht hätten die Macher sich hier ein wenig mehr fokussieren sollen, wirkt Der Schacht mit all seiner plakativen Metaphorik ab und an nämlich so sprunghaft wie ein angetrunkener Philosophiestudent in einer düsteren Kneipe. Faszinerend  ja, unterhaltsam ja, aber auf Dauer auch ein bisschen ermüdend.

Fazit

Als tiefergehende Gesellschaftssatire will der neuste Netflixhype "Der Schacht" nur bedingt funktioneren - dazu lädt sich der Film einfach zu viel auf. Als roher, düsterer Horrorritt überzeugt "Der Schacht" jedoch mit einer konsequent nihilistischen Atmosphäre, interessanter Figurenzeichnung sowie straffem Pacing. Nicht die subtilsten 94 Minuten aller Zeiten, aber zweiffellos unterhaltsam.

Autor: Thomas Söcker

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