Inhalt
Liz, eine ungeoutete Studentin, die sich als heterosexuell ausgibt, wird noch immer vom grausamen Tod ihrer Freundin Wendy verfolgt. Auf einem Wochenendausflug mit Freund*innen sucht sie Abstand vom Alltag. Doch als sie sich einer mysteriösen Frau annähert, wecken unbewältigter Kummer und lange unterdrückte Sehnsüchte etwas Unnatürliches in ihr. Eine unsichtbare Kraft breitet sich in der Gruppe aus, verwandelt Misstrauen in Gewalt und droht, alles zu zerstören.
Kritik
Die Welle queerer Horrorfilme von Attachment über I Saw the TV Glow und They/Them sowie der eskalierende Rechts-Konservativismus lassen keinen Zweifel: Die titelgebende Warnung Victoria Linares Villegas‘ symbollastiger Schauer-Story it alarmierend angebracht. Queerness ist (wieder) tödlich - bedrückender Weise nicht nur auf der Leinwand, wo der wachsende psychische, gesellschaftliche und politische Druck dämonische Züge abnimmt. Am eindrucksvollsten und beunruhigendsten gelang die Übertragung queerphober Aggression in zuletzt Adrian Chiarellas Sundance Breakout-Erfolg Leviticus, zu dessen Szenario Villegas gemeinsam mit Carlos Alberto Marranzini Rodríguez verfasstes Drehbuch auffällige Ähnlichkeit aufweist.
Nach dem brutalen Mord an ihrer Partnerin Wendy verheimlicht Protagonistin Liz (Cecile van Welie) ihre sexuelle Orientierung umso entschlossener. In ihrem provinziellen Heimatort in der Dominikanischen Republik häufen sich mysteriös Morde, hinter denen die junge Medizinstudentin homophobe Hassverbrechen vermutet. Auf einem Kurztrip mit ihrer Clique hofft sie der psychischen Belastung zu entkommen - doch ihr verstecktes Begehren kann auch Alibi-Freund Carlos (Jonathan López) nicht vertreiben. Wenn in der Eröffnungsszene Wendy nach einem Date von ihrer eigenen Mutter ermordet wird, manifestiert sich die Strukturen queerfeindlicher Gewalt überraschend direkt.
Die Darstellung der übernatürlichen Bedrohung als mörderische Besessenheit ist zugleich die markanteste Parallele zu Leviticus und der geschickteste dramaturgische Zug der zwischen Teenie-Drama, Slasher und Psychothriller changierenden Story. Jene fällt nach der vielversprechenden Eröffnung stetig und rapid ab. Psychische und physische Gewalt aus dem familiären Umfeld und dem Freundeskreis, wo Zuneigung abrupt in Hass umschlägt, werden weder ursächlich ergründet, noch in ihrer fundamentalen Auswirkung überzeugend abgebildet. Sozialer Druck und Selbstverleugnung bleiben didaktische Phrasen, ebenso unglaubwürdig umgesetzt wie die ungelenken Scares und enttäuschend zahmen Gore-Momente.
Fazit
Von ihren dokumentarischen Anfängen mit It Runs in the Family über dem semi-fiktiven Ramona tastete sich Victoria Linares Villegas schrittweise an fiktive Stoffe heran. Ihr gesellschaftskritisches Genre-Debüt scheitert an spürbarer Unsicherheit mit der Materie und deren Umsetzung. Kunstblut, Studio-Bauten und Ausleuchtung sind klar als solche zu erkennen. Stereotype Situationen und hölzerne Dialoge untergraben die punktuell aufblitzende Aura unberechenbarer Gefahr. Das ängstliche Kaschieren sapphischer Liebe signalisiert Ängste vor eben jener Aggression, die ursächlich nie ausreichend ergründet wird. Queer-politische Ambition und eine reizvolle Prämisse sind nicht genug.
Autor: Lida Bach