Inhalt
Die Familie Puig versammelt sich 1978 in Nantes zur Hochzeit des jüngsten Sohnes Jacques mit Martine – eine Verbindung aus Liebe inmitten von Wunden der Kindheit.
Kritik
Familie sei das Wichtigste, heißt es in einer deklamatorischen Szene Christophe Honorés (Marcello Mio) romantisierter Retro-Revue, die diesen Grundsatz nicht nur auf narrativer Ebene hochhält. Fast zwei Dutzend Charaktere drängen sich in der stagnativen Story, die sich während des titelgebenden Ereignisses entspinnt - oder passender formuliert: verheddert. Das auf die vertrackten Beziehungen der Verwandtschaft des Paares fokussierte Geschehen ist weniger durchgehende Erzählung als eine Collage gemeinschaftlicher und charakterlicher Vignetten. Animosität, Aggression, Anziehung, Abneigung und Ausbrüche verschiedener Art wechseln unter den Eheleuten und ihrer Entourage, bis die Käseplatten abgeräumt werden.
Sie habe gleich gesagt, dass all der Käse zu viel sei, sagt eine der Angehörigen und liefert damit indirekt das Fazit des Films. Der beginnt mit der Trauung der jungen Martine (Malou Khebizi, Madame) mit Jacques Puig (Paul Kircher, Die Farben der Zeit), vor dessen Sippe ihre Mutter sie warnt. Im Laufe des Nachmittags und Abends hat man zunehmend Verständnis für ihre harschen Worte. Jaques halbes Dutzend Geschwister bringen alle ihre Neurosen mit auf das Fest, auf dem ihr Vater auffällig abwesend ist. Doch das ist weder Vinterberg noch Mike Newell.
Die Labilität Jacques Schwester Claudie (Adèle Exarchopoulos, Zone 3) und unbestimmte Wut seines Bruders Roger (Alban Lenoir, Verirrte Kugel 3) sowie eine Reihe beunruhigender Eskalationen suggerieren private Abgründe. Doch die entpuppen sich als gutbürgerliche Untiefen, die weder soziologisch analysiert, noch satirisch unterminiert werden. Der sprunghafte Plot kaschiert kaum den Mangel dramatischer Substanz des überladenen Handlungsgerüsts. Der hektische Handkamera-Blick drängte sich in einen Konflikt oder einen vertraulichen Moment und entzieht sich wieder, ohne ihn überzeugend zu ergründen. Emotionale Distanz mischt sich mit Ennui,
Fazit
Körnige Kamerabilder und erratische Einstellungen, in denen Tiefenschärfen und Fokus mitunter bewusst schwanken, geben Christophe Honorés fragmentiertem Familienporträt die Atmosphäre eines alten Heimvideos. Kontext und Kontinuität sind nachrangig gegenüber der Aura diffuser Nostalgie. Jene weckt auch der Titel-Verweis auf Tang. Der Instant-Drink voller künstlicher Aromen und Zucker, seinerzeit vermarktet als gesunde Mahlzeit und modernste Vollwertkost, ist allzu treffend für das kalkulierte Kunsthandwerk. Dessen namhaftes Ensemble kann den konstruierten Figuren nur bedingt Glaubhaftigkeit geben. Willkürliche Brüche des naturalistischen Stils können die Trivialität der bürgerlichen Burleske ausgleichen.
Autor: Lida Bach