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Vor zwei Jahren haben Zombies die Erde überrannt. Weimar und Jena sind dank eines Schutzzauns die vermutlich letzten Orte menschlicher Zivilisation. Als VIVI (22) und EVA (26) sich zwischen den Städten schutzlos auf freiem Feld wiederfinden, müssen sie wohl oder übel gemeinsam den Kampf gegen die Untoten aufnehmen. Und damit auch gegen die Dämonen der eigenen Vergangenheit. Vivi versucht verzweifelt herauszufinden, was mit ihrer kleinen Schwester passiert ist, während Eva ihr Image als furchtlose „Zombie-Killerin“ hinter sich lassen und neu anfangen will. Auf ihrem Weg finden die jungen Frauen keine finstere Endzeit-Welt, sondern eine berauschend schöne Natur vor, die sich alles zurückerobert hat, was sie einst Zivilisation nannten. Diese mystisch-märchenhafte Dystopie birgt ungeahnte Gefahren, aber auch ungeahnte Chancen für ein neues Leben in einer neuen Welt.

Kritik

Die Menschen die wir mal kannten sind tot, und wir sollten nicht um sie trauern.

Ein Zombiefilm mit malerischer thüringischer Kulisse ist in ungefähr so ungewöhnlich wie ein Gangster-Film auf dem Mecklenburger Land. Kein Wunder also, dass das Interesse im Vorfeld an der Genre-Verfilmung Endzeit von Regisseurin Carolina Hellsgård (die 2015 mit dem Drama Wanja ihr Debüt feierte) groß war. Gleich in mehrfacher Weise ist der deutsche Ausflug ins Fleischfressende Kino dabei bemerkenswert: Nicht nur, dass hier fast 2 Millionen Euro in die Hand genommen wurden, um einen Genre-Beitrag zu inszenieren, auch wurde die komplette Crew von Frauen besetzt (Olivia Vieweg als Autorin, Franziska Henke für die Musik, Leah Striker für die Kamera etc.). Eine gar feministische Perspektive – getreu der Vorlage der Weimarer Comic-Künstlerin Olivia Vieweg – sollte der Film dabei einnehmen und mit seinen beiden Hauptprotagonistinnen Vivi (Gro Swantje Kohlhof) und Eva (Maja Lehrer) eine starke Erzählung rund um Traumata, Erlösung und Hoffnung erzählen. Dem Widerentdecken des Lebens in einer Welt ohne Gnade und Zukunft. Doch was auf dem Papier – gerade mit den Städten Weimar und Jena – fabelhaft und philosophisch klingt, entpuppt sich zuweilen als leblos und undramatisch.

Visuell ist Endzeit indes sehr ambivalent: Während man dem Film sein doch sehr kleines Budget an vielen Ecken und Kanten ansieht (es gibt wenig Szenen mit großen Kulissen oder gar Städten/Dörfern etc.), gelingt es Kamerafrau Leah Striker dennoch mit viel Gefühl für die Figuren eine sensible Geschichte zu erzählen. Große Action darf dabei nicht erwartet werden – eine spannende Sequenz auf einem Staudamm wird sogar recht schnell auserzählt – und auch in Sachen Horror bleibt der Film weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Zwar sind die Zombies gut in Szene gesetzt (und auch das Make-Up weiß zu gefallen), doch Blut oder viele Kämpfe gibt es hier nicht zu entdecken. Doch selbst wenn Endzeit gar kein Horrorwerk sein möchte, bleibt dennoch vieles halbgar. Wo beispielsweise The Girl with All the Gifts (immerhin auch nur ein Budget von 4 Millionen Pfund) seinen Protagonisten eine lebendige wie nachvollziehbare Welt offenbart, gibt es in Endzeit mehr Fragezeichen als Antworten. Menschen wirken hölzern und leblos, Dialoge starr und auch der Weg der beiden Frauen, die beide ihre Angst und ihre Vergangenheit bewältigen müssen, bietet bis auf Bäume, Wald und Wiesen wenig Highlights und wird zudem von den vielen Rückblenden immer wieder unterbrochen.

Zumindest die Reise von Vivi und Eva ist aber bemerkenswert: Die starke Frauenperspektive macht sich hier bezahlt, sodass der Film an vielen Stellen bekannte Genre-Klischees gut umfahren kann und sich auf seine beiden Charaktere konzentriert, die einen Wandlungsprozess durchleben. Ein Kampf aus dem Schatten, hinein in das Leben in Form von Koexistenz. Hier gibt es dann auch einige wichtige Botschaften, die der Film in seinem Subtext versteckt. Egal ob Entfremdung, Familie oder eben Umwelt (hier unterstützt von Trine Dyrholm). Schade ist hingegen, dass sowohl Gro Swantje Kohlhof als auch Maja Lehrer es nicht schaffen, ihren Figuren richtig Leben einzuhauchen. Viel zu steif agieren sie mit ihrer Umwelt und miteinander, viel zu wenig emotionale Eruptionen gibt es zu entdecken. Beerdige was dir keine Ruhe lässt -  fällt abfällig in einem Nebensatz. Doch wie wirkliche Menschen fühlen sich Vivi und Eva (nach zwei Jahren Zombie-Epidemie) nicht an. Hier offenbart die Vorlage viel mehr Nuancen und Feinheiten, die in Endzeit einfach fehlen. Schade.

Fazit

Alleine durch seine Thüringer-Perspektive, ist "Endzeit" für Genre-Liebhaber schon einen Blick wert. Der Rest hingegen bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten: Für Horror ist der Film von Carolina Hellsgård zu handzahm, als Drama versagt "Endzeit" an seinen Darstellern und seiner Welt. Was bleibt ist ein mittelmäßiger deutscher Zombie-Ausflug, der so viel hätte mehr sein können.

Autor: Thomas Repenning

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