Inhalt
Die Anziehungskraft, die die Teenagerin Isabel gegenüber Dr. Palanca bei ihrem Job im Country Club empfindet, nimmt eine düstere Wendung, als sie die Gewalt hinter der Fassade des Clubs aufdeckt und ihre verstörende Verbindung aus der Vergangenheit entdeckt.
Kritik
Die ritualisierte Repetition und stilisierte Symmetrie des Alltags in dem elitären Country Club, der als Schauplatz Rafael Manuels symbollastigen Spielfilm-Debüts dient, entfalten eine fast hypnotische Harmonie. In deren Bann gerät die 17-jährige Isabel (Jorrybell Agoto, Sisa) die als eine der philippinischen Angestellten das akkurate Äußere des metaphorischen Mikrokosmos erhält. Doch unter der perfekten Oberfläche verbergen sich moralischer Dreck und Dissonanz. Das schleppende Tempo, in dem sich das einförmige Szenario auf deren Enthüllung zubewegt, ist so frustrierend wie die Arbeit der jungen Protagonistin.
Dass die penible Inszenierung Überdruss und Langweile derart greifbar macht, gibt der abstrakten Szenerie ein Air von Konzeptkino. Doch das und die adrette Farbdramaturgie Xenia Patricias Kamera sind kein Ausgleich für das ausdrucksarme Schauspiel und einen unterentwickelten Plot. Jener besitzt kaum mehr Substanz als Manuels gleichnamiger Kurzfilm, dessen Grundstruktur die Langfassung kaum etwas hinzufügt. Isabel, die als sogenanntes „Tee Girl“ die Golfbälle der wohlhabenden Gäste für den Abschlag platziert, fühlt eine seltsame Anziehung zum grauhaarigen Club Präsidenten Dr. Palanca (Teroy Guzman).
Die vage Erklärung beider Verbindung bleibt so unbefriedigend wie das mehrdeutige Ende der stagnierenden Story. Jene verharrt psychologisch und dramaturgisch in einer parabolischen Prämisse, deren surreale Stilismen und eigenwillige Ästhetik einen enttäuschenden Mangel an Hintergründigkeit kaschiere. Die Mechanismen und Muster systemischer Ausbeutung erscheinen ebenso simplifiziert wie die Verschränkung von Klassenstrukturen. Mit seiner detaillierten Optik, reduzierten Handlung und akzentuierten Symbolik wirkt das in langen Einstellungen festgehaltene Geschehen wie eine Serie zeichnerischer Tableaus. Eine eindimensionale Studie materialistischer Monotonie, deren oberflächliche Präzision innere Leere verdeckt.
Fazit
Eine Premiere im internationalen Wettbewerb des Sundance Film Festivals und die dicht darauf folgende Aufführung in der Sektion Panorama der Berlinale wecken Erwartungen, die Rafael Manuels unterentwickeltes Leinwand-Debüt nicht erfüllen kann. Metikulöse Bildgestaltung, choreographierte Bewegungsabläufe und eine streng kontrollierte Optik erzeugen eine formale Ausgewogenheit in bezeichnendem Kontrast zum dramaturgischen Vakuum. Elliptischer Aufbau reiteriert die gleichen Plattitüden über ökonomische Abhängigkeit, soziale Ungleichheit und materielle Macht. Diese ästhetische Überhöhung einer rein theoretischen Systemkritik ohne realistisches Fundament ersetzt Empathie mit akademistischer Distanz und narkotisierendem Narzissmus.
Autor: Lida Bach