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Quelle: themoviedb.org

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Inhalt

Alt-Punk Fussel wird zum Burnout-Patienten, um seinen Anspruch auf Hartz IV nicht zu verlieren. Bei der zwangsverordneten Therapie trifft der liebenswerte Chaot auf einen Haufen wahrhaft durchgebrannter Menschen.

Kritik

Wie nähert man sich komplexen Themen an? Soll man sie vereinfachen, um den Aufmerksamkeitsradius zu erhöhen, oder sollte man versuchen es akkurat und vielschichtig anzugehen. Die einen sagen so, die anderen so. Klar ist nur, dass in der Vereinfachung sowie auch in Komplexität einige Tücken liegen. Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen z.B. konnte sich durch seine simple Zeichnung der Zeit und der Figuren nicht aus dem Korsett der Gefälligkeit befreien. Die irre Heldentour des Billy Lynn von Ang Lee wurde hingegen vorgeworfenen seine Thematik nicht wirklich zu nutzen, weil der Film seinem Publikum eben keine Lösungen oder  Erklärungen servierte, sondern diesen diese als individuellen Prozess ansah. Wie man es macht, macht man es verkehrt? Das liegt natürlich am Blickwinkel. So wird es gewiss auch Zuschauer geben die mit Happy Burnout glücklich werden, weil die Komödie unangenehme Themen so anpackt, dass sie plötzlich fast schon behaglich wirken.

Der Film von (Selbstgespräche) erzählt von Alt-Punker Fussel (, Männerherzen). Ein Langzeitarbeitsloser, der zur Sicherstellung seines staatlichen Unterhalts in eine psychiatrische Klinik geht und dort vorgibt unter Burnout zu leiden. Ja, der Gag dass gerade ein Punker, dessen Morgen mit einem Griff ins Glas Schokonougat beginnt unter Burnout leidet ist nicht uninteressant, was daraus gemacht wird, erweist sich aber als ungelenk.

Happy Burnout hat viele Probleme. Das gravierendste ist wohl, dass der Film nicht wirklich weiß, was er denn nun will. Die Erkrankungen der Patienten, mit denen Fussel im Verlauf des Films interagiert, werden mal fast schon spöttisch beäugt und dann wird wieder versucht diese ernst zunehmen. Das bedeutet aber nicht, dass der Film seinem Publikum wirklich etwas zutraut. Alles bleibt immer in einer bräsigen Komfortzone kleben. Es wirkt fast, als sei das Credo des Films, dass man die Zuschauer bitte nicht erschrecken oder überfordern sollte. Daran hält sich der Film auch, nur einmal bricht er aus dieser Gefangenschaft aus. Wenn sich eine Patientin mit Tinnitus blutig einen Stift ins Ohr rammt, ist die Sorglosigkeit die Happy Burnout mit falscher Leichtfüßigkeit propagiert dahin. Eigentlich gut so, nur wirkt diese Szene wie ein Fremdkörper und narrativ weiß der Film mit ihr auch nichts anzufangen. Es wirkt wie ein Versehen, nicht wirklich wie ein Ausbruch. Es bleibt eine irrelevante Irritation.

Ansonsten bleibt Happy Burnout ohne Courage, ohne Dringlichkeit und vor allem ohne einen echten Plan. Der gesamte Film wirkt von seiner Tonalität total zerfasert. Da wird versucht eine Art Liebesgeschichte aufzubauen, was nicht recht klappen will, weil eine der beiden Figuren irgendwann mehr wie ein Gastauftritt wirkt, als eine wirklich im Film integrierte Rolle. Auch die anderen Figuren der Patienten bleiben kraftlose Abziehbilder. Darsteller (Toni Erdmann) gelingt zwar eine durchaus ergreifende Szene, aber Happy Burnout opfert diese für einen billigen Gag.

Für Pointen tut Happy Burnout eh viel. Manches versteht sich in Bezug auf seine Mechanik von selbst, manches erweist sich allerdings als Todesurteil für die Authentizität des Films, der seine Botschaft gegen Ende so breit auswalzt, als gäbe es kein morgen mehr. Doch die Message ist eigentlich nicht das Wichtige hier. Viel mehr geht es darum, dass die Geschichte oftmals eine Ambivalenz aufbaut, die durchaus reizvoll und spannend ist, eben weil es hier keine einfache Lösungen gibt und Gags kein wirklicher Trost sind. Aber der Film traut sich nie wirklich hinein in diese Welt aus Grau. Eine Schande und eine verpasste Chance von enormer Größe.

Fazit

„Happy Burnout“ will gerne mit dem Thema psychische Erkrankung befassen, versucht aber die Seiten, die man nicht publikumswirksam romantisieren kann, auszusparen. Ein wenig so wie jemand der stolz damit hausieren geht, dass er für hungernde Kinder gespendet hat, aber jedes Mal die Augen verschließt, wenn er wirklich eines sieht.

Autor: Sebastian Groß

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