MB-Kritik

The Birthday Party 2026

Hafsia Herzi
Benoît Magimel
Bastien Bouillon
Monica Bellucci
Tawba El Gharchi
Paul Hamy
Alan Delhaye
Servane Ducorps
Tatia Tsuladze

Inhalt

In einer ruhigen ländlichen Gegend leben Bergogne, seine Frau Nora und ihre Tochter Ida in der Nähe der Künstlerin Cristina. Während sie Noras 40. Geburtstagsparty planen, tauchen im Dorf mysteriöse Fremde auf.

Kritik

Weit treffender als der nichts sagende internationale Titel, evoziert der französische Originaltitel Léa Mysius (Stars at Noon) grimmigen Genre-Stücks neben den enthüllenden und selbstverräterischen Geschichten, die ihre Charaktere während einer langen Nacht einander erzählen, auch die alptraumhafte Aura des auf Laurent Mauvigniers gleichnamigem Roman basierenden Geschehens. Darin ist die Welt bei Tag eine gänzliche andere als nach Einbruch der Dunkelheit. Dann nehmen die Geister einer verborgenen Vergangenheit der Figuren bedrohliche Gestalt an und scheinbar vertraute Menschen ihre dunkle Seite enthüllen. 

Von einem Familiendrama mit mysteriösen Untertönen wandelt sich das minimalistische Szenario zum klaustrophobischen Krimi und von dort zum Psychothriller mit stilistischen Anleihen beim Horror-Kino. Vor dem malerischen Hintergrund der französischen Provinz überrascht Familienvater Thomas (Bastien Bouillon, The Incredible Snow Woman) seine junge Frau Nora (Hafsia Herzi, Mektoub, My Love: Canto Due) mit einer Überraschungsfeier zu ihrem Geburtstag. Doch die liebevolle Geste trügt ebenso wie das idyllische Setting. Thomas ist Alkoholiker, die Ehe am Kriseln. Ihre kleine Tochter Ida (Tawba El Gharchi) spürt die unterschwellige Animosität. 

Sie verbringt lieber Zeit bei der zurückgezogenen Künstlerin Cristina (hervorragend: Monica Bellucci, Butterfly Jam) als mit ihrer unruhigen Mutter, die ein harmloser Post Idas von ihrem kleinen Hof seltsam besorgt. Noras böse Vorahnung bewahrheitet sich, als drei ungeladene Gäste auftauchen. Der latent bedrohliche Franck (Benoit Magimel, Saint-Exupéry – Die Geschichte vor dem kleinen Prinzen) und seine psychopathischen Brüder Flo (Paul HamyDer Seelenfänger) und Begue (Alane Delhaye) wollen mehr als Rache. Bindungen werden enthüllt, getestet, geschlossen und gebrochen in dieser Nacht; stets auch symbolische Sphäre unterdrückter Triebe und verleugneter Abgründe. 

Fazit

Formal ausgefeilt, schauspielerisch intensiv, doch dramaturgisch ermüdend generisch, bietet Léa Mysius‘ angespanntes Kammerspiel mehr Ästhetik und Atmosphäre denn dramatische Kraft. Der ambivalente Blick auf Familie, deren Ideal Verrat und Verbrechen motiviert, doch in der Realität unerreichbare Illusion bleibt, zieht sich filigran durch das finstere Szenario wie das Motiv reuevoller Vergangenheit. Dunkle Blau- und Schwarztöne verstärken die fatalistische Aura Paul Guilhaumes konzentrierter Kamera. Ein desillusioniertes Beziehungsdrama, teils Home Invasion, teils Mystery, teils Thriller, über das Unentrinnbare der eigenen Entscheidungen. 

Autor: Lida Bach
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