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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

1969 erwirbt ein aufstrebender Medienmogul die Tageszeitung „The Sun“, und seine Partnerschaft mit dem Chefredakteur Larry Lamb macht die Zeitung zur einflussreichsten Boulevardzeitung Großbritanniens.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

So schief wie Alwin H. Küchlers Kamerawinkel und erratisch wie Fin Oats gehetzter Schnitt ist die politische Perspektive Danny Boyles (Trance - Gefährliche Erinnerung) manipulativer Medien-Monographie. Die ideologische Ikonisierung einer populistischen Publikation, die zum Grundstein eines der, wenn nicht des, einflussreichsten Medien-Imperien der Gegenwart wurde, präsentiert sich mit strategischer Selbstironie als die Leinwand-Variation der grenzüberschreitenden, grellen Stories ihrer profitorientierten Protagonisten. Rupert Murdoch (Guy Pearce, Das Ende der Sterne) und Larry Lamb (Jack O’Connell, Godzilla x Kong: Supernova) verklärt der bewusst plakative Plot zum anarchischen Anti-Establishment: Bad Boys unter bornierten Biedermännern, als die Stimme der einfachen Leute.  

Das sein wollte Murdoch tatsächlich mit The Sun, deren Geburtsstunde in ihrer bahn- und gelegentlich Gesetze brechenden Form als die der modernen Boulevard-Presse gefeiert wird. Letztes im doppelten Sinn, mit orgiastischen Office Partys und einer euphorischen Energie, bevor der Spaß im letzten Akt schlagartig vorbei sein soll. Doch natürlich laufen die Druckerpressen weiter, genau wie die auf James Grahams gleichnamigem 2017er Bühnenstück basierende Handlung. Selbige eröffnet ein Geschäftsessen des über seinen Sackgassen-Job beim Daily Mirror frustrierten Lamb und Murdochs, der ihn als Redakteur seiner Neuerwerbung The Sun anstellt. 

Nebenbei diskutieren sie das Journalismus-Einmaleins der 5Ws: Who, What, Where, When, Why. Das letzte W sei das Uninteressanteste, erklärt Murdoch: „Because sometimes there is no ‚Why‘.“ Dieses Konstrukt von Zufälligkeit und Willkürlichkeit passt perfekt zu der systematischen Ausblendung Murdochs politischer Agenda, die lediglich in einer harmlosen Pointe anklingt. Kein Wort über den alarmierenden Einfluss der Sun auf Wahlen, tendenziöse Berichterstattung und Unterdrückung objektiven Journalismus zugunsten unilateraler Meinungsmache. Stattdessen untermauert Daniel Pembertons kongenialer Soundtrack mit Punk-Songs wie The Sprints „Something’s Gonna Happen“ die rebellische Rasanz der Bilder. 

Boyle stilisiert Murdoch und Lamb zu klassischen Underdogs mit Odd-Couple-Chemie: Das fremdländische Feindbild der ehemaligen englischen Kolonialherren und der Aufsteiger aus der Arbeiterklasse. Tatsächlich war der australische Murdoch als Sohn eines wohlhabenden Zeitungsbesitzers stets Teil der neo-kolonialistischen Erbelite, während Lamb zwar Arbeiterkind war, aber die Werte der Mittelschicht verinnerlicht hatte. Das unterstreicht die narrative Dämonisierung von Gewerkschaften, die als Feind der freien Presse erscheine, für die sie in Wahrheit wiederholt gegen The Sun eintraten. Auch in Sachen Fakten-Verdrehung orientiert Boyle sich offenbar an seinen Charakteren. 

Als einzige Frauen im Kernteam und einzige relevante weibliche Filmfigur ist es Claire Foys (Der Wunderweltenbaum) fiktive Reporterin Jules Davies, die Sex als zentrales Standardthema vorschlägt. Dass Jules nebenbei als Larrys Dauer-Affäre vorgestellt wird, passt zum reduktiven Frauenbild. Obendrein ist Claire diejenige, die dem ersten Page 3 Girl Stephanie Kahn nahelegt, ihren indischen Nachnamen zu ändern und ihr Haar zu blondieren. „I didn‘t make the world, but I live in it.“, verteidigt sich Claire, stellvertretend für Boyle, der die zahlreichen rassistischen Ausfälle der Sun geflissentlich übergeht. 

Fazit

Schauspielerische Exzellenz, halsbrecherisches Tempo, geschliffene Stakkato-Dialoge und eine mitreißende Union der betont reißerischen Kamera und aggressiven Musik verleihen Danny Boyles medienhistorischer Mythologisierung einen atmosphärischen Sog. Umso problematischer ist dafür die Verzerrung der unbestreitbar charismatischen Charaktere zu progressiven Provokateuren und die Propagierung des handlungszentralen Mediums als ikonoklastische Inovation. Die zynische zeitgeistige Offenheit der inszenatorischen Taktik  legitimiert die psdeuo-kritische Polemik als ästhetisches Stilmittel. Ein den Abspann begleitender Crash-Kurs Murdochs demagogischer Medienmacht ist too little, too late angesichts der Verklärung der Alt-Right zu Anti-Helden. 

Kritik: Lida Bach

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