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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Lange verdrängte Verletzungen drängen an die Oberfläche, als Popstar Mother Mary kurz vor ihrem Comeback-Auftritt erneut auf ihre entfremdete beste Freundin trifft. Sam Anselm, einst für ihre Bühnenkostüme verantwortlich, kehrt sie damit in Marys Leben zurück und zwingt beide, sich ihrer gemeinsamen Vergangenheit zu stellen.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Der Pop-Star auf der Leinwand boomt: Während Taylor Swift im Zuge ihrer Eras-Tour den Kinosaal mehr als einmal infiltrierte oder kürzlich Charli XCX ihre genüssliche Selbstabrechnung mit The Moment zum Besten brachte, erregt die Faszination um das Image des Stars der Populär-Musik vor allem das Genre-Kino. Da wäre zum einen Lady Raven in M. Night ShyamalansTrap, als auch Skye Riley in Smile 2 zu nennen, wenn es in beiden Filmen um den allegorischen Schrecken, ein menschgewordenes Spektakel zu verkörpern, geht. Mit David Lowerys (The Green Knight) Mother Mary, dem Künstlernamen des zentralen, von Anne Hathaway (Interstellar) verkörperten, Megastars in existenzieller Krise begibt sich diese Figur der Gegenwart nun in das melodramatische Arthouse-Gebiet. So ganz hinter sich lassen kann der Popstar seine zeitgenössische Assoziation mit Horror-Mustern aber auch hier nicht: Auf dem Plakat heißt es zwar in ironischer Selbstreferenz an Lowerys vorangegangenes Werk „This Is Not A Ghost Story“ aber überall, wo Mensch und Ikone drohen, sich voneinander zu entfremden scheint eine geisterhafte Assoziation nicht fern zu sein. Zu dieser Einsicht gelangt Lowerys schauriges Kammerspiel, wenn es von einem derartigen Prozess der metaphorischen Trennung und Wiedervereinigung sinniert. Das besagte Entzweiung sich nahtloser gestaltet als eine erweckende Katharsis macht dieser ambitionierte und frustrierende Film leider nur zu deutlich. 

Von Charli XCX und FKA Twigs (Honey Boy), wobei letztgenannter im Film eine entscheidende Schlüsselrolle zukommt, stammen die Songs, die Hathaway in sorgfältig genähten Gewänden und mit krönendem Heiligenschein als Kopfbedeckung vor einem Millionen Publikum zum Besten gibt. Songs, versunken in einem beliebten Herzschmerz-Kitsch. Mehr muss es auch nicht sein, so scheint es. Aber die klaffende Frage bleibt: Steckt wirklich nicht mehr hinter der Ikone? Erst spät artikuliert der Film die Motivation für den initialen Zusammenbruch von Mother Mary, welcher sie weg von den Scheinwerfern und in das Studio in der abgelegenen britischen Landschaft ihrer ehemaligen Kostümdesignerin Sam Anselm (Michaela Coel, Black Panther: Wakanda Forever). Mary und Sam verband eine tiefe Beziehung und geht bis auf den ersten Auftritt zurück, welche jedoch in den Bruch und in die gegenseitige Entfremdung mündete. Nun kehrt Mary in Sams Studio, ein zweckentfremdeter, riesiger Schuppen, in welchem sich der Großteil des Filmes abspielt, zurück. Sie hofft sich zu ihrem Comeback in einem neuen, makellosen Kleid zu präsentieren und Sam soll dieses nun anfertigen. Trotz des zunächst unklaren Grundes für den Bruch der beiden Weggefährten ist es vor allem das Schauspiel von Hathaway und besonders Coel, welche gemeinsame Pfade und vergangene Entscheidungen erahnen lassen. Coels Spiel als hingebungsvolle Perfektionistin ist mit einer ansteckenden Abgebrühtheit geprägt, wenn sie ihren „kleinen Eindringling,“ Hathaway als hoffnungslos getriebenen Pop-Star, voller Zynik empfängt. Schon bald wird es klar, wie sehr Sam Mary lesen und vorhersehen kann, ein Umstand, der bald eine übernatürliche Konnotation erhält und ins explizite umschlägt, wenn beide schließlich von einer sich unabhängig voneinander ereigneten Begegnung mit der scheinbar selben Entität erzählen. 

An diesem Punkt wird Mother Mary doch wieder zu einer Geisterstory und erstreckt sich zur philosophischen Reflektion darüber, was einen Menschen im ewigen Rampenlicht antreibt und verfolgt. Existiert der Wunsch, ein Star zu sein, als Überdeckung tiefsitzender Emotionen? Besagte Gefühle interpretiert Lowery als geisterhafte Erscheinung, formuliert diese jedoch deutlich effektiver im halb Verborgenen: Die beste Szene des Filmes ereignet sich, als Sam Mary bittet, ihren Bühnentanz ohne Musik zu vollführen. In einer, an Suspiria erinnernden, Performance klatscht und pocht Hathaways Körper immer wieder auf den staubigen Holzboden, voller Ächtzen und Zucken strecken sich ihre Glieder. Es ist hier, wo der Film ohne Worte bereits alles sagt und wundervoll preisgibt, dass Performance eventuell nur eine Maske über einer dämonenhaften Besessenheit darstellt. Jene Besessenheit erhält über den Schlagabtausch zwischen Pop-Ikone und Kostümdesignerin eine interpersonelle Ebene, die jedoch nie mit den Bildern des Filmes zureichend kommuniziert. Je expliziter das Grauen (und die Schönheit) in der singenden Erlöserfigur werden soll, umso banaler wird es doch. Mother Mary scheint die Sprache und das Kleben an der nackten Oberfläche der Pop-Kultur zu verstehen, kann es aber nicht zufriedenstellend auflösen. Dieser frustrierende Umstand führt dazu, dass jegliche Charakternuancen zwischen den beiden Protagonistinnen entweder zum reinen, inhaltlichen Selbstzweck verkommen oder völlig ins Leere laufen. Am Ende ist für den Film die Frage nach einer Vereinbarkeit zwischen Menschen und Performance, Mensch und Mensch, Kunst und Leben, zu groß für den Film, als das er sie noch in einer ästhetischen Performance-Katharsis auflösen könnte. Somit erfüllt sich schmerzhaft das Klischee eines Filmes über die Oberfläche, der selbst nie über diese hinauskommt.

Fazit

In „Mother Mary“ soll sich die Pop-Ikone von ihren Geistern befreien. Den Bruch zwischen Identität und Performance erzählt Lowerys deutlich zu ambitioniertes Werk am besten im Zusammenspiel zwischen seinen beiden furios aufspielenden Hauptdarstellerinnen. Hathaway und Coel können den Film jedoch nicht von einem Abstürzen in die frustrierende Belanglosigkeit retten, wenn nahezu alle zentralen Fragen nach dem Menschen im Phantom in eine ästhetische Leere verlaufen.

Kritik: Jakob Jurisch

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