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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Nach dem Tod seiner Frau soll der Chefarzt George unerwartet eine hohe Versicherungssumme kassieren. Plötzlich taucht eine Stripperin namens Monica West auf, von der er sich magisch angezogen fühlt. Außerdem ähnelt sie etwas seiner verstorbenen Frau Susan. Seine Geliebte, eine Fotografin, ist nicht begeistert, dass sich George mit der Stripperin trifft. Als die Versicherung einen Betrug wittert, lässt die Polizei die Leiche von Susan exhumieren. Es stellt sich heraus, dass die Verstorbene vergiftet worden ist und George gerät unter Mordverdacht. Wer ist der Mörder und wer hat in diesem Spiel die Fäden in der Hand?

Kritik

„Denk nicht so viel. Zieh dich aus!“

Negativ betrachtet könnte das das Motto von Lucio Fulci’s (Ein Zombie hing am Glockenseil) Früh-Giallo Nackt über Leichen sein. Der deutsche Titel ist dabei nur halb Programm. Nackt: Gerne, immer das Auge isst schließlich mit. Leichen: Der Plural ist fast zu viel, beinah kommt der Streifen mit nur einer aus, die gleich zu Beginn und abseits des Geschehens das Zeitliche segnet. Gar nicht Giallo-typisch, aber zu dieser Zeit war das Sub-Genre noch nicht ansatzweise das, über was es sich nur kurze Zeit danach stilistisch definierte und die sleazige Mördersuppe erst richtig anrührte.

Mario Bava griff 1964 mit Blutige Seide dem modernen Giallo-Modell weit voraus, danach musste erst 1970 Dario Argento mit Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe um die Ecke kommen, damit nun endgültig alle ihren Vorgaben folgten. Davor ist die Klassifizierung eher schwammig auslegbar, in der Phase zwischen Bava’s Wegweiser und Argento’s Durchbruch spielte sich das Meiste in einer Grauzone ab, noch nicht so fixiert auf die inoffiziellen Regeln und irgendwo zwischen den Krimi-, Horror-, Thriller-, und Exploitation-Stühlen zuhause. Fulci war damals schon ein erfahrener Handwerker, ähnlich wenig festgelegt auf einen bestimmten Stil oder eine Genre-Zugehörigkeit und längst noch nicht der berüchtigte Gore-Papst, zu dem er eigentlich erst Ende der 70er (beginnend mit dem selbst heute noch zünftigen Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies) ausgerufen wurde. Er konnte auch ohne Blut, Splatter und Gekröse, bewies dies selbst in der Spätphase des nun salonfähig brutalen Giallo mit Die sieben schwarzen Noten (1977), der völlig gegen den Trend gänzlich auf explizite Gewalt verzichtete und lediglich auf das Whodunit-Element setzte. Mit bemerkenswerter Qualität.

Acht Jahre nach diesem Film fast ein Sonderling, zum hier aktuellen Zeitpunkt nicht ungewöhnlich, denn andere Früh-Gialli wie Tödliches Erbe oder Der schöne Körper der Deborah sind kaum anders. Mit einem entscheidenden Unterschied: Nackt über Leichen ist (trotzdem) ein durchaus sehenswerter Beitrag, obwohl er natürlich nur funktioniert, wenn man gnädig über diese fiesen Plausibilitäts-Details hinwegsehen mag. Komplett unblutig und ausgehend von „nur“ einem vermeidlichen Mord wird zunächst der Protagonist als glasklarer, potenzieller Täter an den Pranger gestellt. An Gelegenheit und besonders Motiven mangelt es ihm nicht, bis sich das Blatt auf undurchsichtige Weise wendet und zumindest der Zuschauer erhebliche Zweifel an der Schuld des untreuen, nie um eine Notlüge verlegenen Chefarzt und Betreiber einer Privatklinik (Jean Sorel, Malastrana) hegt. Er scheint selbst nur das Opfer einer zwielichtigen und verwinkelten Intrige zu sein, womit Fulci trotz eines gedrosselten Tempos und potenziell vorhandenen Pinkelpausen recht geschickt hantiert. Gar nicht so schlecht gespielt, optisch auch ohne die ganz großen Momente ansprechend inszeniert und mit einem flotten Fummel-Jazz von Riz Ortolani geschmeidig unterlegt weiß Nackt über Leichen das Interesse des Publikums an diesem freizügigen Nackedei-Schmuddel-Suspense zu wecken und durchaus aufrecht zu erhalten, bis er einem (überraschend) früh seine Pointe um die Ohren haut, an der sich gut und gerne die Geister scheiden dürfen.

Vertigo – Aus dem Reich der Toten in einer genau genommen völlig absurden Abwandlung, die so nie und nimmer funktionieren dürfte, trotzdem einen gewissen Reiz hat und erstaunlicherweise halbwegs ihren Zweck erfüllt, bei eineinhalb zugedrückten Augen. Quatsch im Quadrat, aber schön fies konstruiert und im verblüffend früh einsetzenden Schlussspurt besonders spannend, obwohl man meint schon alles gesehen zu haben. Egal wie blödsinnig das sein mag, Fulci rettet seinen Film durch den akkuraten Umgang mit dem Material. Wie er das macht, ist beinah schon wieder clever bzw. lässt erkennen, das gerade im italienischen Genre-Kino öfter dieses WIE wichtiger ist als das WAS. Ausgerechnet als Nackt über Leichen die letzten Hosen fallen lässt und sich dadurch erst endgültig als überkonstruierten Unsinn offenbart, zeigt er plötzlich voller Stolz sein Gemächt. Klingt merkwürdig, ist es auch, aber hey, wenn der Laden läuft sollte man nicht unnötig nachfragen wie das denn bitte sein kann. Ist doch alles prima, so wie es ist. Warum auch immer.

Fazit

Auch wenn das Ganze theoretisch auf keine Kuhhaut geht, Lucio Fulci gelingt mit "Nackt über Leichen" einer der besten Früh-Gialli der noch ohne Gewaltexzesse und flackerndes Farbenspiel sein Publikum rein über den Plot erreicht. Der ist natürlich überkonstruiert bis die Schwarte kracht, aber durchaus spannend und ganz schmissig zusammengeklaut, mit elegantem Schnuddel-Chic und einem schön garstigen Finale. Ordentlich, sehr ordentlich.

Autor: Jacko Kunze

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