MB-Kritik

Pferd am Stiel 2025

Inhalt

Zufällig entdeckt die 13-jährige Sarah aus der Münchner Hochhaussiedlung Neuperlach im Netz den finnischen Sport „Hobby Horsing“, bei dem Jugendliche auf Steckenpferden Turniere austragen, und ist sofort begeistert. Ihre beste Freundin Dilek findet Sarahs neues Hobby eher peinlich, doch lässt sie sich überreden mitzumachen. Als sie dadurch zum Gespött der Schule werden, zerstreiten sich Dilek und Sarah. Doch als Sarah die Turnierreiterin Beatrice kennenlernt, die unter dem Druck ihrer ehrgeizigen Mutter leidet, findet sie eine neue Mitstreiterin.

Kritik

Der Titel Sonja Marie Kröners zweiten Kinofilms klingt vage nach einer obskuren Pet Play Variation, nicht zuletzt, weil er kurioserweise auf eine peinliche Soft-Sex-Komödien-Reihe namens Eis am Stiel anspielt, von der niemand aus der eigentlichen Zielgruppe wohl je gehört hat. Das wirkt schon etwas bizarr und passt damit perfekt zu dem Kuriosum, um das die schematische Handlung konstruiert ist: Hobby Horsing. Bei der (laut Pressetext) “Trendsportart” springen Kinder mit einem altmodischen Steckenpferd wie zu Zeiten der Urgroßeltern herum und stellen Elemente aus dem Dressur- und Springreiten nach. 

„Oben bist du Reiter, unten das Pferd.“, erläutert die (echte) Reiterin Beatrice (Aurelia Ott), mit der sich die 13-jährige Sarah (Manon Debaille) auf ihrem vorhersehbaren Weg zur Hobby-Horsing-Heldin ihres Münchner Vorstadt-Viertels anfreundet. Diese Freundschaft ist eines zahlloser reichlich unglaubwürdiger Elemente der überkonstruierten Story. Deren realistischste Wendung ist der Spott der Gleichaltrigen über Sarahs neues Horsing Hobby, mit dem sie mit ihrer besten Freundin Dilek (Chiara Kitsopoulou) Aufmerksamkeit generieren will. Das gelingt, allerdings im negativen Sinn. Nach einem Streit mit der blamierten Dilek trainiert Sarah mit Beatrice. 

Mit deren Geld fliegen die beiden Minderjährigen ungehindert nach Finnland zu einem Hobby Horsing Turnier. Der alberne Plot wirkt dramaturgisch und darstellerisch so natürlich und lebensnah wie eine Dauerwerbung, die er im Grunde auch ist. Befremdliche Aspekte wie die Gleichsetzung der Steckenpferde mit lebenden Tieren werden weder ergründet noch hinterfragt. Ärgerlicher als derlei Absurditäten ist die dramaturgische Legitimation der Oberflächlichkeit, Manipulativität und Selbstverliebtheit der zur positiven Identifikationsfigur aufgebauten Protagonistin. Ähnlich problematisch ist die verzerrte Darstellung von Armut, die dialogisch behauptet wird, aber nie sichtbar, und kinderleicht behoben. 

Fazit

Der vorhersehbare Plot Sonja Marie Kröners kalkulierten Kinderfilms untergräbt Anteilnahme und Spannung. Die Figuren machen keinerlei Entwicklung durch, stattdessen verändern sich willkürlich äußere Gegebenheiten. Sozialökonomische Ungleichheit wird thematisiert, nur um ihre Auswirkungen zu negieren oder idealisieren. Freundschaftlicher Zusammenhalt erscheint als einseitige Verpflichtung, die Egoismus und Opportunismus belohnt. Das titelgebende Kuriosum wird eifrig beworben, aber nie genauer betrachtet. Ebenso ist die Tierquälerei beim realen Reiten kein Thema. Solides Schauspiel ist ein schwaches Gegengewicht für krampfigen Humor, beliebige optische Farbeffekte und aufdringlichen Soundtrack. Ein reichlich anstrengendes Hobby. 

Autor: Lida Bach
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