MB-Kritik

Shana 2026

Eva Huault
Noémie Lvovsky
Sékouba Doucouré
Palachandiran Thyshaant
Inès Trabendo
Agnès Host
Ines Anane
Jacky Abdillah
Lalla Rami
Anaïs Monah
Inès Gherib
Bettina de Van
Solal Bouloudnine
Sarah Benabdallah
Anthony Sonigo
Geneviève Krief

Inhalt

Shana meistert die Herausforderungen des Alltags mit unbändiger Energie und der Unterstützung ihrer Freunde. Als ihre Großmutter stirbt, erbt sie einen Ring, der sie vor dem bösen Blick schützen soll. Diese Hilfe kann Shana gut gebrauchen. Vor allem, da ihr toxischer Partner aus dem Gefängnis entlassen wurde und sich die Unglücke häufen!

Kritik

Nach Rebecca Zlotowskis An Easy Girl, s Wild Diamond und s The Little Sister folgt Lila Pinell Cannes kuriosen Trend filmischer Porträts junger Frauen aus der Arbeiter- und Unterschicht, inszeniert von Regisseurinnen. Gleich ihren Kolleginnen ist die französiche Regisseurin und Drehbuchautorin denkbar weit entfernt von der sozialen Schicht, in der sie ihre prototypische Protagonistin verankert. Shana (Eva Huault) ist ein menschliches Aushängeschild der Arbeiterschicht, so wie sie in der Vorstellung einer bildungsbürgerlichen Bourgeoisie aussieht. 

Als filmisches Studienobjekt klassistischer Konstrukte ist der unausgegorene Mix aus spöttischem Sittenbild und philisterhafter Parabel denn auch interessanter als dramatisch. Der absurde Plot konfrontiert die junge Titelfigur mit einem Arsenal an Klischee-Konflikten, die partnerschaftliche Gewalt, materielle Not, soziale Stigmatisierung und systemische Diskriminierung als selbstverschuldet legitimieren und karikieren. Nach dem Tod ihrer Großmutter erbt Shana einen Ring, der sie vor Unheil bewahren soll. Als sie den Klunker leichtfertig weggibt, häufen sich die Unglücke in buchstäblich biblischem Ausmaß. 

Ihr gewalttätiger Freund Moïse (Sékouba Doucouré) wird aus der Haft entlassen und will sein bei ihr aufbewahrtes Geld, das natürlich abhandengekommen ist. Den Ring wiederzubeschaffen ist die einzige Rettung. Die verworrene Story ist wenig mehr als eine Parodie prekärer Lebensumstände mit einer einzigen unablässig wiederholten Pointe: Schadenfreude über die Misere junger Frauen mit migrantischem Hintergrund der unteren Gesellschaftsklassen. Die sprechen bei Pinell nur protzige Vulgärphrasen, gebären sich gehässig und stylen sich geschmacklos. 

Fazit

Entsprechend des Titels ist Lila Pinells blasierte Bibelstunde die filmische Ausstellung ihrer als Quintessenz klassistischer Ressentiments fungierenden Hauptfigur. Deren von mehreren Freundinnen geteilte Gewalterfahrung wird zum abgeschmackten Running Gag. Gewalt in der Partnerschaft erscheint sowohl dramaturgisch als auch sozialstrukturell als Norm, selbstverschuldet von Frauen, die auf toxische „Bad Boys“ stehen. Settings gleich verstaubten TV-Kulissen, konventionelle Kameraeinstellung und papierdünne Dialoge geben dem spöttischen Szenario die Aura einer Vorabend-Soap. Deren moralistische Message enthüllt die Spießbürgerlichkeit hinter der paternalistischen Fassade. 

Autor: Lida Bach
Diese Seite verwendet Cookies. Akzeptieren.