Inhalt
Es ist Sommer in Genf. Johanna arbeitet am Fließband einer Luxusuhrenmanufaktur und fährt nicht in den Urlaub. Als sie darüber nachdenkt, ihren alten VW Käfer loszuwerden, beschließt sie stattdessen, ihn wieder zum Leben zu erwecken – und sich jener Welt der Mechanik zu stellen, die sie einst zurückgewiesen hat.
Kritik
Das sommerliche Schwelgen, sich treiben lassen ohne festgesetztes Ziel, das immerhin vermittelt Céline Carridroit und Aline Suter semi-dokumentarische Skizze einer jungen Frau im emotionalen Equilibrium. Bei ihrem offenbar gut bezahlten Job für einen Genfer Markenuhren-Hersteller schraubt Johanna an Luxusuhren und nach Feierabend an ihrem VW Käfer, den sie selbst von Hand restauriert. Beide Motive, Uhr und Wagen, wirken wie allegorische Anspielungen auf die Ausgeglichenheit und Autonomie, zu denen die selbstsichere Protagonistin nach ihrer Transition gefunden hat.
Die dröhnende Metal Musik, die sie in der ersten Szenen im Auto hört, scheint noch ein Hinweis auf angestaute Konflikte oder zumindest Energie, doch wenn es dergleichen im Leben der Hauptfigur gibt, zeigen die Regisseurinnen es nicht. Alle Herausforderungen, die es in ihrer Vergangenheit offenbar durchaus gab, und augenscheinlich überwunden. Dass diese Eintracht ein mitunter schwieriger Prozess war, zeigen verknappte Rückblicke in Form von Comics. Die von einer befreundeten Künstlerin gezeichneten Episoden illustrieren transphobe Gewalt und Belästigung.
Von solchen Attacken dürfe man sich nicht das Selbstvertrauen nehmen lassen, sagt Johanna am Telefon einer Freundin, die ihre äußere Gelassenheit nicht nachvollziehen kann. Ob hinter der Fassade vom kleinen Glück Ängste oder Sorgen schlummern, können oder wollen die Regisseurinnen nicht sehen. So gerät ihr pittoreskes Porträt zum eklektischen Exposé relativer Privilegien. Zufriedenheit basiert auf gutbürgerlichem Status, materieller Sicherheit, Weißsein und Normschönheit. Eine Kritik dieser Werte bleibt jedoch aus. Lieber lässt die Inszenierung sich treiben.
Fazit
Entspannung und Ennui gehen in Aline Suter und Céline Carridroits zielloser Hybrid-Comedy ebenso fließend ineinander über wie Fiktion und Dokumentation. Motive von Akzeptanz und Zugehörigkeit werden beiläufig gestreift, doch nie ergründet. Scheinbar liegt die Auseinandersetzung damit hinter der Protagonistin, deren wunschlos zufriedene Existenz einen positiven Gegenentwurf zu den oft tragischen bis sensationalistischen Filmdarstellungen von trans Menschen bildet. Allerdings fehlt den optisch und dramatisch gleichsam ereignisarmen Szenen das narrative Momentum. Das sonnige Szenario verliert sich in beschaulicher Belanglosigkeit.
Autor: Lida Bach