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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Sanders ist frustriert über das mangelnde öffentliche Gerechtigkeitssystem und beschließt, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen, indem er zum Selbstjustizler wird. Er macht es sich zur Aufgabe, sowohl Kriminelle als auch korrupte Beamte zu bestrafen. Während seine Selbstjustiz eskaliert, wächst auch seine öffentliche Bekanntheit: Er gewinnt Unterstützung in der Bevölkerung als eine Art Heldenfigur, zieht jedoch zugleich die Aufmerksamkeit von Henry auf sich, einem Interpol-Chef, der ihn als Gefahr für die Gesellschaft betrachtet.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Manche Filme scheitern leise, andere laut. Citizen Vigilante gehört zur zweiten Kategorie – allerdings nicht im Sinne einer zugespitzten Provokation, sondern als ein Werk, das sich in seiner eigenen Ungebremstheit verliert. vereint Regie, Drehbuch, Produktion und Kamera in einer Person. Das Ergebnis ist entsprechend unkontrolliert: ein Film, der keine Distanz kennt, keine Gegenstimme zulässt und sich in einer Mischung aus Vigilanten-Phantasie, politischer Überhitzung und erstaunlich unbeholfenem Actionkino erschöpft.

FSK-Probleme und Eskalation: Ein Film ohne Filter

Bereits im Vorfeld sorgte der Film für Diskussionen. In Deutschland verweigerte die FSK Citizen Vigilante gleich zweimal die Freigabe (Stand: Juni 2026). Nach der Sichtung wirkt das weniger wie ein Skandal als wie eine nachvollziehbare Reaktion auf ein Werk, das Gewalt nicht als Problem reflektiert, sondern als direkte Antwort auf gesellschaftliche Spannungen setzt. Alles ist auf unmittelbare Zuspitzung angelegt, als müsse jede Komplexität sofort in ein eindeutiges Feindbild überführt werden. Differenzierung findet schlicht nicht statt, und genau darin liegt eines der Grundprobleme dieses Films.

Die Figur Sanders, gespielt von Armie Hammer (Call Me by Your Name), bewegt sich durch dieses Gefüge wie ein unerschütterlicher Selbstjustizautomat. Boll inszeniert ihn als kompromisslosen Rächer in einer angeblich zerfallenden Ordnung, doch diese Figur bleibt vollkommen statisch. Sanders entwickelt keine innere Reibung, keine Brüche, keine Entwicklung. Er wiederholt lediglich eine Haltung, die sich in endlosen Monologen manifestiert, in denen gesellschaftliche Fragen auf simple Schuldzuschreibungen heruntergebrochen werden. Was als Charakter erscheinen soll, bleibt ein Sprachrohr ohne Leben, ohne Wandel, ohne echte Kontur.

Sanders als leere Waffe: Gewalt statt Charakter

Auch die Dramaturgie selbst trägt diesen Eindruck weiter. Citizen Vigilante entfaltet keine erkennbare Erzählstruktur, sondern reiht lose Szenen aneinander, die kaum miteinander verbunden sind. Figuren tauchen auf, verschwinden wieder, kehren später ohne nachvollziehbare Motivation zurück. Orte wechseln abrupt, zeitliche Abläufe bleiben diffus, und selbst zentrale Handlungsstränge wirken, als wären sie nie final zusammengesetzt worden. Statt einer verschachtelten Erzählweise entsteht der Eindruck eines Films, der seine eigene Form nie gefunden hat.

Zwischen diesen Bruchstücken breitet sich eine auffällige Leere aus. Figuren gehen, warten, sitzen in Autos, laden Waffen nach – und das in einer Wiederholung, die weder Spannung noch Atmosphäre erzeugt. Diese Passagen wirken weniger wie Aufbau als wie Füllmaterial, das die ohnehin dünne Struktur künstlich streckt. Rhythmus entsteht nicht, Verdichtung ebenso wenig. Stattdessen dominiert ein zäher Stillstand, der sich selbst genügt und jede Entwicklung ausbremst.

Als Actionfilm scheitert das Werk damit vollständig. Die Schusswechsel sind statisch, mechanisch und frei von jeglicher Dynamik. Gegner stehen sich gegenüber, verharren in Positionen und brechen anschließend in überdehnte Gewaltreaktionen zusammen. Timing, Eskalation oder choreografische Präzision fehlen komplett. Die Action reduziert sich auf reine Bewegung im Raum, ohne jede filmische Energie.

Die Provokation macht die Musik

Hinzu kommt eine visuelle Gestaltung, die kaum Orientierung bietet. Da Boll selbst die Kamera führt, fehlt jede erkennbare Bildführung. Einstellungen wirken zufällig gesetzt, Räume bleiben unklar definiert, und selbst potenziell intensive Szenen verlieren sich in einer erstaunlich leblosen Bildsprache. Der Film sieht oft aus wie Rohmaterial, nicht wie gestaltetes Kino. Das zeigt sich auch bei derMusik, die durchgehend erschreckend stumpf und generisch ausfällt. Sie wirkt, als stamme sie aus einem beliebigen Baukasten für Spannungsunterlegung, ohne jeden Sinn für Tonlage oder Wirkung. Sie begleitet nicht, sie kommentiert nicht – sie füllt lediglich, und zwar auf eine Weise, die jede Szene zusätzlich entleert.

In einer von einigen fragwürdigen Momente des Films erreicht diese Haltung einen regelrechten Tiefpunkt: Sanders tötet in einem Massaker gut ein Dutzend Polizisten, begleitet von ironisch gesetzter Musik. Was hier als Provokation funktionieren soll, kippt vollständig ins Widerliche. Die Szene wirkt nicht zugespitzt, sondern forciert, nicht kritisch, sondern selbstverliebt in ihre eigene Grenzüberschreitung. Der Eindruck entsteht, als würde der Film sich selbst dafür beglückwünschen, „unangepasst“ zu sein – eine demonstrativ zur Schau gestellte Haltung, die so hölzern und kalkuliert wirkt, dass jede mögliche Wirkung sofort verpufft. Statt Reibung bleibt nur Befremden über die Selbstgefälligkeit dieser Inszenierung.

Armie Hammer, der hier seine erste große Rolle spielt seit dem er "gecancelt" wurde (mehr dazu hier). bleibt in diesem Umfeld weitgehend isoliert. Seine Darstellung reduziert sich auf starre Präsenz, kontrollierte Härte und monotone Gravität. Emotionale Abstufungen existieren nicht, weil das Drehbuch sie nicht vorsieht und die Figur sie nicht zulässt. Sanders wird so endgültig zum Träger leerer Behauptungen, nicht zur Figur mit innerer Bewegung. Sein Co-Star, Saw-Fiesling Costas Mandylor als Interpol-Agent, ist zumindest einfach nur flach und vergessenswert.

Alles in allem entsteht ein Film, der seine eigene Idee permanent überdehnt und dabei jede filmische Kohärenz verliert. Citizen Vigilante will zuspitzen, provozieren und Haltung zeigen, erreicht aber lediglich eine Form von Überzeichnung, die sich selbst entwertet. Je stärker der Film auf Wirkung drängt, desto deutlicher tritt seine handwerkliche und erzählerische Leere hervor. Bolls Ansatz, politische Zuspitzung unmittelbar in filmische Form zu übersetzen, führt hier nicht zu Intensität, sondern zu einer merkwürdigen Erstarrung plumpester Provokation und filmischen Unvermögens.

Fazit

Kein Provokationsfilm, sondern ein Fremdscham-Exzess: "Citizen Vigilante" stolpert durch ideologisch verengte Selbstjustizfantasien, verwechselt Grenzüberschreitung mit Haltung und ersetzt Wirkung durch peinliche Pose – ein Debakel, bei dem man Uwe Boll (mal wieder) am lautesten applaudieren hört.

Kritik: Sebastian Groß

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