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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Mariama, eine Asylbewerberin aus dem Senegal, ist gerade achtzehn geworden. Stella, auf den ersten Blick eine zurückgezogene Frau in ihren Vierzigern, hat sich kürzlich entschlossen, ihre Sucht zu überwinden und einen Neuanfang zu wagen. Auf der Suche nach ihrem Platz in einer Welt, in der nichts umsonst ist, begegnen sich die beiden Frauen und entwickeln eine unerwartet starke Bindung.

Kritik

„If you have a lion at your back and the sea in front of you, you chose the sea“, erwidert die junge Mariama (Sokhna DialloL'ascension) in Tonia Mishialis sozialdramatischem Zweitwerk mit dem Blick auf das Meer, das sie mit anderen Flüchtenden überquert hat. Doch der sichere Hafen Zyperns begegnet ihr mit einer institutionellen und sozialen Feindseligkeit als ein neuer Gegner. „A lion in front of you.“, beschreibt es die abgehärtete Stella (Elena Kallinikou), die als gebürtige Griechin ihre eigenen Kämpfe auszutragen hat. 

Die äußerlich gegensätzlichen Frauen begegnen einander in der Sozialunterkunft, die Mariama mit dem 18. Lebensjahr abrupt verlassen muss. Um einen für ein Empfehlungsschreiben erforderlichen Drogentest zu bestehen, sucht die in der Unterkunft als Putzkraft angestellte Stella ihre Hilfe. Mit ihrer Warmherzigkeit knackt Mariama wie erwartet die emotionale Rüstung der vierzigjährigen Ex-Sexworkerin, die in der wesentlich jüngeren Senegalesin teils eine Freundin, teils eine Tochter sieht. Doch der unerbittliche Existenzkampf, den beide Frauen auf ihre Art bestreiten, überschattet flüchtige Momente gemeinsamer Unbeschwertheit. 

Ausbeutung erscheint als direkte Folge eines unmenschlichen Systems, dessen soziale und humanitäre Unterstützung kurzfristig, rigoros begrenzt und konditionell ist. Das Sozialsystem fungiert hauptsächlich als ethische Fassade, hinter der die menschlichen Schicksale gleichgültig sind. Bevor das schablonenhafte Szenario indes eine konkrete Systemkritik formuliert, verrennt sie sich der vorhersehbare Plot in melodramatischer Zuspitzung und Doppelmoral. Weibliche Solidarität und Allianz mit marginalisierten untergraben Negativ-Klischees von Sexarbeit und Substanzkonsum. Drogen erscheinen als direkter Weg zu einer mehrfachen Abhängigkeit während Sexwork als perverse Erniedrigung verteufelt wird. 

Entsprechend des abgegriffenen Narratives, das die zarte Freundschaftsgeschichte zwanghaft melodramatisiert, lässt Stella sich zu einem letzten Auftrag überreden. Ein labyrinthisches Warenhaus, in dem ihr früherer Vermittler Sex-Parties organisiert, geben Stellas Sexwork eine infernalische Aura. SM-Käfige, Halsbänder und Masken suggerieren Abhängigkeit und Ausweglosigkeit in einer Atmosphäre pervertierter Gewalt. Dieses moralistische Zerrbild konterkariert die sozialrealistischen Ästhetik als kalkulierte Fassade konservativer Moralbegriffe. Jene korrespondieren mit den dramaturgischen Stereotypen, die das nuancierte Spiel der Hauptdarstellerinnen nur bedingt überwindet. Unnachgiebige Bürokratie spiegelt die toxischen Tropes des zwiespältigen Dramas. 

Fazit

Das inszenatorische Versprechen Tonia Mishialis Spielfilm-Debüts kann ihre zweite Kinoarbeit noch nicht einlösen. Solange die schematische Story sich der Dekonstruktion administrativer Strukturen und repressiver Vorgaben widmet, wächst die ungewöhnliche Frauenfreundschaft in kleinen Gesten wie einem improvisierten Geschenk oder einer fürsorglichen Geste. Derlei unscheinbare Momente sind ungleich kraftvoller als die überkonstruierten Konflikte des zweiten Akts. Der visuelle Kontrast des wortwörtlichen Hoffnungsschimmers am Horizont über dem Meer und dem bedrohlich flackernden Kunstlicht drogenberauschter Sex-Parties spiegelt den dramaturgischen Bruch zwischen einfühlsamen Freundschaftsporträt und spekulativer Soap. 

Kritik: Lida Bach

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