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Quelle: themoviedb.org

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Im April 1671 erhält François Vatel einen besonderen Auftrag von seinem Herrn, dem Prinzen von Condé. Als Küchen- und Haushofmeister soll er ein dreitägiges Fest organisieren, zu dem Ludwig XIV. anreist. Der hochverschuldete Prinz erhofft sich durch die gediegenen Festlichkeiten die Gunst des Sonnenkönigs, aber auch den Zugang zu dessen Schatzkammer. Die drei Tage verlaufen jedoch anders als erwartet...

Kritik

Roland Joffé machte sich bereits zu Beginn seiner Karriere als Regisseur einen Namen und schaffte es mit seinen ersten beiden Spielfilmen The Killing Fields – Schreiendes Land und The Mission bereits Oscars zu gewinnen und in zahlreichen weiteren Kategorien nominiert zu werden, u.a. als bester Film und Joffé für die beste Regie. Doch nach und nach verblasste sein Stern und er konnte an seine früheren Erfolge nicht mehr ganz anknüpfen. Geblieben ist seine Vorliebe für historische Stoffe, die auf wahren Ereignissen beruhen, wie auch zuletzt 2017 mit The Forgiven, der sich dem Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu und seiner Arbeit für die Wahrheits- und Versöhnungskommission widmet. Auch mit Vatel – Ein Festmahl für den König geht er dieser Vorliebe nach und erzählt die Geschichte von François Vatel (Gérard Depardieu, Green Card - Scheinehe mit Hindernissen) der im Jahre 1671 als Küchenmeister und Maître de plaisir des Prinzen Condé (Julian Glover, Young Victoria) ein dreitägiges Fest für den französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. (Julian Sands, Trautmann) organisieren soll und dabei sowohl für das Festmahl, als auch die ganze Belustigung mit Theater, Musik und Feuerwerk verantwortlich ist. Vatel stand schon seit Jahren im Dienste des Prinzen Condé und genoss daher das Vertrauen des Prinzen, für den der Erfolg der Feierlichkeiten von großer Bedeutung war. Der Prinz war verschuldet und erhoffte sich die Gunst des Königs, der wiederum Condé als Kommandeur für die französischen Truppen in dem anstehenden Krieg gegen Holland gewinnen wollte.

Um diese drei wichtigen Tage herum baut Joffé seine Geschichte um François Vatel auf und ermöglicht einen Einblick in das damalige höfische Leben voller Prunk, vergisst aber dank seiner Hauptfigur Vatel nicht diejenigen, die den Herrschenden dieses Leben ermöglichten. Viele Szenen spielen sich in der riesigen Küche ab, wodurch Joffé den Ereignissen mehr Authentizität verleiht und den historischen Grundton viel besser einfängt, als so manches Historienepos, das sich allein der feinen Gesellschaft widmet. Vatel – Ein Festmahl für den König rückt dabei die gesellschaftlichen Diskrepanzen in den Vordergrund, ohne hier aber zu sehr in die Tiefe zu gehen. Dennoch genügt es, um zu zeigen, dass das höfische Leben nicht einem Disneymärchen gleicht. Die Arbeitsverhältnisse waren schlecht, die Angestellten nichts wert und selbst Kinderarbeit normal. Etwas Menschlichkeit vermittelt Vatel, der sich für die ihm untergeordneten Arbeitskräfte einsetzt und dafür schon mal den König versetzt. Dabei ist die Zufriedenheit des Königs für das Schicksal Frankreichs von großer Bedeutung. Jeder der Untergebenen betet den Boden an, auf dem der König läuft und der König und sein üppiger Hofstaat ist es gewohnt alles zu bekommen und jeder aus dem Hofstaat ist einzig und allein dazu da, um den König zu bespaßen.

Vatel sieht das Ganze eher kritisch und versucht eigentlich nur diese drei Tage zu überstehen, muss sich aber mit allerhand Problemen herumschlagen. Verdorbenes Essen, ausbleibende Lieferungen und zu allem Überfluss machen ihm auch der Bruder des Königs (Murray Lachlan Young, About a Boy), und der Marquis de Lauzun (Tim Roth, The Misfits - Die Meisterdiebe), die rechte Hand des Königs, das Leben schwer. Während ein kleiner Küchenjunge das Objekt der Begierde des Königsbruders ist, hat es der Marquis auf die mit dem Hofstaat angereiste Anne de Montaisier (Uma Thurman, Im Rausch der Sterne) abgesehen, eine Mätresse des Königs, für die aber auch Vatel Zuneigung entwickelt. Vatel muss nun beide vor den Avancen der Herren schützen. Anne und Vatel verstehen sich auf Anhieb, auch wenn Anne anfangs vielleicht noch sehr von der pompösen Scheinwelt des Hofes geblendet wird, was sie letztendlich mit einem Satz zum Ausdruck bringt:

„Aber Monsieur, die Armen sind gerne die Gläubiger des Königs! Es ist eine Ehre, die sie sich niemals erträumt hätten.“

Besser hätte dieses Missverhältnis zwischen Realität und Scheinwelt nicht zum Ausdruck gebracht werden können. Dennoch bleibt Vatel – Ein Festmahl für den König oftmals oberflächlich. Das trifft insbesondere auf die Beziehung zwischen Vatel und Anne zu. Die Zuneigung, die sie für einander entwickeln, ist nicht ganz nachvollziehbar, jedenfalls nicht in der Intensität, die sie haben soll. Man merkt sehr wohl, dass hier etwas zwischen beiden entsteht und dies wird auch von den Darstellern vermittelt, dennoch fehlt hier das Gewisse etwas. Auch wenn Vatel sehr menschlich und mitfühlend ist und das höfische Leben mit all seinen Abgründen dargestellt wird, verschenkt man auch hier Potenzial, in dem man das eine oder andere Mal ohne darüber nachzudenken zum Alltag übergeht. Selbst Vatel scheinen manche Ereignisse jedenfalls nicht allzu lang nahezugehen. Überzeugen kann der Film in jeden Fall mit seiner Ausstattung. Sowohl das zurecht für einen Oscar nominierte Szenenbild als auch die Kostüme und Make-up und Styling machen den Historienfilm sehenswert. Die vielen Festtafeln mit allerlei leckeren Speisen und grandiosen Tischdekorationen (u.a. Eisfiguren) als das Bühnenbild für die Unterhaltung des Königs liefern ein optisches Feuerwerk ab. Abgerundet wird der Film mit der Filmmusik von Ennio Morricone, der wie sooft eine solide Arbeit abliefert und dazu beiträgt, dass Vatel – Ein Festmahl für den König ein ordentlicher gesellschaftskritischer Historienfilm geworden ist.

Fazit

Mit „Vatel – Ein Festmahl für den König“ inszenierte Roland Joffé ein Historiendrama, dass zwar nicht ganz an seine früheren Erfolge anknüpfen kann, sich aber auch nicht dahinter verstecken muss und als solider Kostümfilm überzeugt. Der Film ist in erster Linie ein optischer Augenschmaus, dank hervorragendem Szenen- und Kostümbild. Die Handlung hingegen kratzt oft nur an der Oberfläche, vermittelt aber einen Eindruck, wie es innerhalb eines Hofstaates rund um die Bediensteten aussah. Der Film bleibt aber trotz manchen Dramas doch noch immer leichte Kost, die zu unterhalten vermag.

Autor: Andy Mieland

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