Lulu nimmt eine Stelle als Kindermädchen an und muss feststellen, dass ihr neuer Chef nicht der ist, den sie erwartet hat.
Kritik
Mehr als zehn Jahre nachdem Girls den Startschuss für Comedy-Serien um chaotische junge straighte weiße Frauen aus dem Bildungsbürgertum setzte, ist der Bedarf noch immer nicht gedeckt. Das jedenfalls ist der erste Eindruck Alec Goldbergs und Camille Wormsers (Clown) Comedy-Serie. Deren Pilot-Folge, die auf dem Sundance Film Festival in der Sektion Episodic Premiere feiert, hakt in der komfortablen Laufzeit von einer Stunde eine beachtliche Liste an Tropes ab. Das markanteste davon ist die Protagonistin.
Lulu (verkörpert von Drehbuchautorin Camille Wormser) ist kurz vor 30, weiß, durchschnittlich gut aussehend und offenbar aus materiell gesichertem Mittelklasse-Milieu. Die aspirierende Schauspielerin hat nach eigener Aussage bei einem Vorstellungsgespräch als Kindermädchen keinerlei Rollenangebote in Aussicht. Deshalb betreut sie die beiden Kinder der aus der gehobenen Mittelschicht stammenden Christy (Produzentin Vivian Kerr, The Den) Die Teenager-Kids sind längst zu alt für Babysitter, doch ob dies unvorteilhaftes Casting ist oder auf Unselbstständigkeit oder klassenspezifische Statussymbolik verweist, bleibt unklar.
Lulu verkündet, sie würde sowieso auf keinem Baby sitzen. Krampfige Kalauer und Freudsche Versprecher manifestieren sich in der filmischen Kostprobe bereist als ein Schwerpunkt des Humors. Das komödiantische Kernkonzept scheint Sex und Fremdscham, allerdings konterkariert von strenger Sittsamkeit und sozial und medial konsolidierter Selbstdarstellung. Sex ist zwar Dauerthema, aber authentische Sex-Szenen oder Nacktheit sind tabu. Genauso wirken Unangepasstheit und Eigenwilligkeit nicht authentisch, sondern als die bewusst überspitzte Show, die sie im Rahmen der Inszenierung auch sind.
Fazit
Äußerlich unterscheidet Alec Goldbergs Comedy-Pilot unterscheidet sich von Fleabag, You’re the Worst und Broad City der handwerkliche Look einer Nachmittags-Sitcom. An deren Muster erinnern Struktur, Szenenbild und Camille Wormsers Schauspiel, das sich der Präsenz eines Publikums ständig bewusst scheint. Doch darunter liegt eine weitere Variation der bekannten Unterhaltungsmuster geprägt von materiellen Privilegien, Status, Weißsein, Sicherheit, struktureller Stabilität und Selbstfixierung. Visuell und dramaturgisch bleibt das Szenario im Rahmen konventioneller Nachmittags-Unterhaltung. Verträglich, vertraut und schnell vergessen.
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