Von Stu am Dienstag, 17 Februar 2026, 05:00 Uhr
Bildnachweis: © MGM | Werbemotiv zu "Das Schweigen der Lämmer"
35 Jahre nach dem Kinostart von Das Schweigen der Lämmer sorgt ein Interview für neue Diskussionen. Ted Levine (vielen auch bekannt als Lt. Stottlmeyer aus Monk), der im Thriller den Serienmörder Jame Gumb alias „Buffalo Bill“ verkörperte, hat sich erstmals ausführlich zu den seit Jahren geäußerten Vorwürfen geäußert, der Film transportiere problematische Bilder im Umgang mit Transidentität.
Ted Levine distanziert sich von problematischen Aspekten
In einem Gespräch mit The Hollywood Reporter erklärte Levine, dass er manche Elemente des Films heute kritischer sehe als damals. Man wisse inzwischen deutlich mehr über geschlechtliche Identität, und auch er selbst habe dazugelernt. Einige Dialogzeilen und inhaltliche Setzungen empfinde er rückblickend als „unglücklich“. Besonders mit Blick auf die Wirkungsgeschichte räumte er ein, dass bestimmte Darstellungen verletzend sein könnten.
Levine betonte, er habe im Laufe der Jahre durch Begegnungen mit trans Personen ein besseres Verständnis für deren Lebensrealität entwickelt. Vor diesem Hintergrund halte er es für bedauerlich, dass der Film Aspekte von Geschlechtsidentität mit einer gewalttätigen Figur verknüpfe. Wörtlich sagte er, es sei „falsch“, wenn dadurch ein verzerrtes Bild entstehe. Es ist das erste Mal, dass sich der Darsteller öffentlich so deutlich zu den Transphobie-Vorwürfen äußert.
Wie positioniert sich der Film selbst?
Der von Jonathan Demme (Philadelphia) inszenierte Thriller Das Schweigen der Lämmer erschien 1991 und basiert auf dem Roman von Thomas Harris. Levine spielte darin den psychisch schwer gestörten Mörder Jame Gumb, während Jodie Foster (Panic Room) als FBI-Anwärterin Clarice Starling ermittelte. In der öffentlichen Debatte wurde die Figur „Buffalo Bill“ wiederholt mit trans Identität in Verbindung gebracht.
Allerdings macht der Film an zentraler Stelle deutlich, dass Gumb laut Handlung nicht als Transfrau gilt. Eine Figur erklärt explizit, er sei kein „echter Transsexueller“, sondern ein Mann mit tiefgreifenden psychischen Problemen, der Identität aus anderen Gründen anstrebe. Diese Differenzierung wird von Befürwortern des Films häufig angeführt, wenn es um die Frage geht, ob die Darstellung tatsächlich eine ganze Bevölkerungsgruppe stigmatisiere oder ob es sich um eine individuelle Täterfigur handelt.
Die neuerliche Wortmeldung Levines zeigt, wie stark sich gesellschaftliche Maßstäbe seit den frühen 1990er-Jahren verändert haben. Während das Thema Transidentität damals kaum im öffentlichen Diskurs präsent war, wird es heute sensibler und differenzierter verhandelt. Dass ein Oscar-prämierter Klassiker wie Das Schweigen der Lämmer unter diesen veränderten Vorzeichen erneut betrachtet wird, verdeutlicht, wie sehr sich die Perspektiven auf Filmgeschichte im Lauf der Zeit verschieben.