Inhalt
Eine Gruppe von Teenagern an der Schwelle zum Erwachsensein treibt einen Fluss hinab und stellt sich für die sozialen Medien tot. Und mehr Geschehnisse an eine Fluss in der Landschaft.
Kritik
Der Titel Daniel Soares filmischer Reihe mokanter Momentaufnahmen ist wörtlich zu nehmen. Mit dokumentarisch anmutender Nüchternheit betrachtet die Kamera einen Fluss in idyllischer Waldlage. An dessen Ufern finden sich in einer Handvoll dramaturgischer Vignetten verschiedene Charaktere ein, die alle etwas mehr im Sinn haben als sich nur bei sommerlichem Wetter zu erfrischen. Zwei Lieferfahrer kühlen sich ab, bevor die Arbeit weitergeht. Eine Dame mittleren Alters fühl sich durch eine ungesehene Präsenz gestört, eine Gruppe Teenager stellt eine Szene für einen Social Media Clip dar.
Die Jugendlichen treiben wie Ertrunkene im Wasser, bevor die beunruhigende Aura in einen harmlosen Kommentar auf mediale Mentalität aufgelöst wird. Nur ein makaberes Detail im Hintergrund gibt dem Szenario wieder eine tonale Wendung. Leider reicht keine der folgenden Episoden an diesen im doppelten Sinn hintergründigen Twist des Eröffnungsaktes. Was folgt, sind vergleichsweise zahme Miniaturen über Luftkrokodile und gestörtes Sonnenbaden. Schnörkellose Optik und improvisiert wirkendes Schauspiel geben dem Ganzen eine Aura von Cinéma vérité. Bewusst bruchstückhafte Dialoge verstärken die Verunsicherung, die aus dem Verhalten der Figuren entsteht.
Fazit
Nachdem er vor zwei Jahren in Cannes Kurzfilm-Wettbewerb bereist eine lobende Erwähnung erhielt, kehrt Daniel Soares zurück mit einer Anthologie lakonischer Pointen. Die schwarzhumorigen Situationen, die ihnen vorangehen, treiben zwischen beiläufigem Naturalismus und soziologischer Satire. Die Wirkung des Zufälligen entpuppt sich als süffisantes Konstrukt, das in beiläufigen Brüchen des Banalen die Untiefen des Alltags aufzeigt. Der Verzicht auf jegliche Stilmittel zeigt die Naturkulisse als neutrale Konstante, gleichgültig gegenüber den kuriosen Ereignissen. Der Fluss wird zum Übergangsraum zwischen Spiel und Ernst, Pose und Kontrollverlust, Entspannung und Anspannung.
Autor: Lida Bach