×
?
So findest du deinen Titel

Einfach einen Titel oder Personennamen eingeben – auch Originaltitel funktionieren.

IMDb-ID
tt0133093
TMDB-ID
TMDB: 603
Movie-ID
Die interne Movie-ID direkt einfügen.
Startdatum
Start: 21.09.2026 oder Start: 2026
Dauer
Dauer: 120 (Minuten)
Regie
Regie: Nolan
Drehbuch
Drehbuch: Nolan
Cast
Cast: Reeves

Bei Personensuchen erscheinen zuerst die Personen, darunter ihre passenden Filme und Serien.

Wichtig ist das der Name dennoch so komplett wie möglich geschrieben wird, da bei z.b. "Nolan" auch als Vorname existiert.

×

Erwähnungen

×

Benachrichtigungen

Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Annie Ernaux ist zu einer Signierstunde eingeladen. Auf dem Weg dorthin überkommt sie ein Schwindelgefühl, und sie wird in die Erinnerung an den Sommer 1958 zurückversetzt – den Sommer ihrer ersten Nacht mit einem Mann.

Quelle: themoviedb.org

Kritik

Eine bedrückende Universalität trägt Judith Godrèches (Me Too) bedrückend zeitloses Zweitwerk als Regisseurin bereits im Titel, übernommen von Annie Ernaux‘ (Annie Ernaux - Die Super-8-Jahre) autobiographischen Romans „Mémoire de fille“. Die 2016 veröffentlichten Erinnerungen der prägenden Autorin an ihre Zeit als damals 17-jährige Betreuerin in einem Kinderkurheim im Sommer 1958 sind die Geschichte eines Mädchens und eine Mädchen-Geschichte im Sinn einer grundlegenden gender-eigenen Erfahrung. Ein Jahr nach der Publikation zementierte deren alarmierende Allgemeingültigkeit 2017 die #MeToo Bewegung, für die Godrèche in Frankreich zu einer essenziellen Symbolfigur wurde. Ihre Verfilmung Ernauxs im Vorjahr erschienenen Werks, das im Rückblick einem literarischen Prolog gleicht, wirkt ebenso kongenial wie schicksalhaft konsequent. 

Jene elliptische Endlosigkeit einer sich in unzähligen Variationen beständig wiederholen Geschichte unterstreicht deren Verankerung in der Gegenwart durch ein Rahmenszenario. Darin ließt die 76-jährige Nobelpreisträgerin aus der gerade erschienen Memoire, die sie und das Publikum 60 Jahre zurück in die Handlungszeit versetzt. Annie (einfühlsam verkörpert von Godrèches Tochter Tess Barthélemy) beginnt voller Aufregung ihren ersten Schritt in ein unabhängiges Leben fernab ihres klerikalen Elternhauses. Dessen repressive Restriktionen degradieren die naive Protagonistin in den Augen der erfahreneren Betreuer’innen gleichen Alters bieder und provinziell. Der Drang, diesen Status abzulegen, romantische Illusionen und sexuelle Ahnungslosigkeit machen sie zum idealen Opfer des Lagerleiters Hervé.

H (Victor Bonnel, Frühstück bei Audrey), wie ihn Ernaux in ihrem Tagebuch nennt, nutzt ihre Unerfahrenheit systematisch aus und drängt sie wiederholt zu sexuellen Erlebnissen, die sie erst Jahrzehnte spür als Missbrauch erkennt und benennen kann. Beider Machtgefälle manifestiert sich unerbittlich sowohl bei erniedrigenden, aggressiven sexuellen Begegnungen und im Alltag, wo sie für ihre vermeintliche Freizügigkeit verspottet wird. H hingegen wird ob seiner Eroberungen umso mehr respektiert und verliert nichts an seinem strukturellen Status. Diese besonders perfide Variation von Victim Blaming und Slut Shaming zementiert die Außenseiterinnen-Stellung, der sie unbedingt entkommen wollte. Anpassungsdruck und Stigmatisierung sind essenzieller Teil der verstörenden Episode sexueller Übergriffe.

Isolation und menschliche Abwertung markiert Godrèches sensible Inszenierung als Machtinstrumente eines Patriarchats, das Mädchen und Frauen die Verantwortung für männliche Taten zuschreibt. In diesem unveränderten Gesellschaftssystem gilt jugendliche Naivität als moralisches Versagen und misogyne Gewalt als naturgegebene Bagatelle. Die Sprache zeigt sich als entscheidendes Machtmittel, zur Unterdrückung oder Emanzipation, das der jungen Annie noch fehlt. Joachim Philippes Kamera sieht den hierarchischen Mikrokosmos durch ihren zunehmend distanzierten Blick, der den Wandel von Fremdheit zu körperlicher Entfremdung, von schwärmerischer Entrücktheit zu traumatisierten Dissoziation. Bewusstwerdung und Benennung in literarischer und filmischer Form sind vor diesem Hintergrund schon ein Sieg, wenn auch ein bitterer.

Fazit

Élisa Ingrassias schlichte Kostüme und Damien Rondeaus kühles, reduziertes Szenenbild sind essenzieller Teil der bewusst unbestimmten zeitlichen Verortung Judith Godrèches eindringlicher Studie missbräuchlicher Machtstrukturen und psychologischer Manipulation. Tess Barthélemys Schauspiel und die Mutter-Tochter-Konstellation Schauspielverstärken die emotionale Intensität der schmerzlichen Sektion normalisierter Gewalt und jugendlicher Desillusionierung. Soziologische Signifikanz und thematische Relevanz überwiegen dramaturgische Dissonanzen wie das abrupte Verschwinden faszinierender Nebenfiguren. Eine afro-französische Ärztin und queere Kollegin erscheinen als geistige Verbündete, deren eigene Geschichten nie ausreichend Raum erhalten. Doch narrative Imperfektion mindert nicht die sozialpolitische Relevanz einer universellen Momentaufnahmen, in deren Festival-Rahmen in Cannes und andernorts allzu oft die gezeigten Konflikte räsonieren.

Kritik: Lida Bach

Wird geladen...

{{ loadError }}

×