MB-Kritik

Bloody Tennis 2026

Sandra Guldberg Kampp
Elina Löwensohn
Tracy Gotoas
Lily Taïeb
Juliana Vieira-Guerra
Helena Zengel
Lucie Zhang
Vincent Romeo
Zlatko Burić

Inhalt

Sophie kommt an eine renommierte Tennisakademie, in der die Brutalität des Wettkampfsports auf die Spitze getrieben wird und nur die Hungrigsten überleben.

Kritik

Offenkundig hat Nikias Chryssos ein filmisches Faible für toxische Mikrokosmen, in deren geschlossener Gemeinschaft die Mitglieder durch Befolgen eines bizarren Regelwerks ein höheres Ziel anstreben. In der Seifen-Sekten-Szenerie von A Pure Place war es Reinheit, im bieder bürgerlichen Der Bunker war es mittelständische Megalomanie. Im tödlichen Tennis-Trainingscamp des jüngsten Werks des deutsch-griechischen Drehbuchautors und Regisseurs sind es nun sportliche Superlative. Nach denen verzehren sich die attraktiven jungen Teilnehmerinnen buchstäblich während sie nebenbei auch aufeinander einander hungern. 

Das verheißungsvoll angekündigte sapphische Begehren entpuppt sich indes als pseudo-progressives Queerbaiting. Die Liaison der neu an dem isolierten Schauplatz einer elitären Tennis-Akademie eingetroffenen Sophie (Sandra Guldberg Kampp, Electric Child) mit ihrer Kommilitonin Bana (Tracy Gotoas, Restless) ist nur heteronormative Herrenphantasie. Sexualisierung, Sadismus und Spott prägen den Blick auf die internationale Sportlerinnen-Clique. Deren ausschließlich weibliche Mitglieder unterscheiden sich vorrangig durch Herkunft und höchstens eine definierende Dimension. Sophies Zimmernachbarin Heidi (Helena Zengel, Die Legende von Ochi) hat für jede Gemütsverfassung mit Tabletten gefüllte Teddybären. 

Die ambitionierten Akademie-Besten Nelly (Lily Taieb, The French Dispatch) und Frieda (Juliana Vieira-Guerra) sind die fiesen Gegenspielerinnen, die stille Xue (Lucie Zhang, No One Will Know) ein plakatives Opfer. Sophie wiederum hat Daddy-Issues. Die motivieren ihr zwanghaftes Nacheifern ihrer verstorbenen Mutter, an deren Stelle die rigorose Leiterin Mary (Elina Löwensohn, The Beast) tritt. Mit Trainer Stavkos (Zlatko Buric, Roma Elastica) und dem plakativ perversen Sohn Fred (Vincent Romeo) formt sie eine degenerierte Familie, in der sich Sophie ihren Platz erspielen muss. Der Ausgang ist so vorhersehbar wie die blutigen Pointen. 

Fazit

Das latent bedrohliche Setting und die stetig steigenden Alarmzeichen sind altbekannte Versatzstücke aus Okkult- und Sekten-Horror. Zwar ist die Umsetzung handwerklich solide, gewinnt dem Szenario jedoch weder ästhetisch oder formal, noch thematisch und dramatisch neue Facetten ab. Der voyeuristische Blick auf die auffällig oft mit kindlichen Attributen präsentierten Figuren untergräbt unheimliche Atmosphäre. Das überzeugende Ensemble überwindet nur bedingt die chauvinistischen Stereotypen der unausgegorenen Story, die Solidarität unter Frauen negiert und weibliche Leistungsambitionen teils bagatellisiert, teils verteufelt. 

Autor: Lida Bach
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