Inhalt
Ein gläubiger Mann führt einen gewaltsamen Krieg gegen die kriminelle Unterwelt Manhattans; dabei gerät er in direkten Konflikt mit einem mächtigen Mafiaboss, während er gleichzeitig eine junge Frau auf ihrem Weg zwischen Gefahr und Erlösung begleitet.
Kritik
Das Unterhaltsamste an Barthélémy Grossmanns (Arthur Malediction) abstrusem Gottesmann-vs-Gangster-Genre-Mash-up sind die Kalauer, die sich für eine Filmkritik aufdrängen. Gott bewahre! Eine biblische Blamage. Oder einfach: holy shit. Letztes ist kein Ausruf der Anerkennung, die der verworrene Vigilanten-Actioner höchstens weckt, weil er trotz der unterirdischen Qualität ins Programm von Venedig gelangt ist, wenn auch außer Konkurrenz. Ironisch passend für ein Werk, das mit seinem Arsenal an wandelnden Klischees und verstaubten Stereotypen, einer dreist derivativen Story und einer erzreaktionären Agenda, die hinter einer Maske popkultureller Überspitzung reale Vorurteile zementiert.
Die aberwitzige (nicht zu verwechseln mit „amüsante“) Handlung zelebriert die alt-right Apotheose des um sich ballernden Priesters, der Gottes Pfad mit Leichen von Sündern pflastert. Eine Portion Preacher, etwas Boondock Saints, dazu Goodfellas oder eher noch The Alto Knights, und eine Prise Léon - Der Profi. Zumindest bei letztem muss Grossmann sich nicht gegen Plagiats-Vorwürfe wappnen. Das Drehbuch stammt von Luc Besson, der den inszenatorisch bisher wenig rühmlichen Regisseur wohl nur auswählte, um möglichst freie Hand bei der Umsetzung zu haben, ohne direkt verantwortlich zu zeichnen.
Warum realisiert er als Produzent überhaupt die reißerisch reaktionäre Konfrontation von Priester und Pate? Und warum machen Al Pacino (The Ritual) als bibliophile Mafia-Eminenz Giu, Kiefer Sutherland (Das Wunder von Stoneford) als der Titelheld auf einem blutigen Kreuzzug gegen New Yorks Drogen-Kartelle und Nepo Baby Ever Anderson (Black Widow) mit? Die Antwort ist wahrscheinlich: Geld. Letztes motiviert auch die Mafia-Bosse, die unter Herrschaft des gottgleichen Giu die unschuldige Jugend zu Drogenkonsum verleiten. Bessons Vorstellung von Substanz-Abhängigkeit unter Minderjährigen ist so bizarr veraltet wie die Retro-Outfits und Vintage Autos, die neben antiquarischen Handys auftauchen.
Die anachronistischen Zeitbezüge sind noch die geringste Unstimmigkeit der wirren Story. Father Joe nimmt Nancy Reagans War on Drugs jedenfalls wörtlich und zieht regelmäßig schwerbewaffnet los, um Drogen-Lager abzufackeln und Mafia-Banden abzuknallen. Nur die Bosse verschont er, um sie zum Besuch seiner Sonntagspredigt zu zwingen. Selbiges gelingt ihm mittels Injektion eines tödlichen Virus, dessen Gegenmittel sich die Bosse bei ihm statt einer Hostie abholen. Die muslimische und jüdische Gemeinde und dazu seine vietnamesische Kirchen-Kampftruppe unterstützen ihn mit Sprengstoff und Waffenlieferungen sowie Insider-Informationen aus der Finanzwelt.
Würde Besson dieses Konzept einfach gradlinig durchziehen, käme vielleicht ein halbwegs akzeptabler Actionfilm heraus. Stattdessen ächzt der Plot unter überflüssigen Nebenhandlungen, deren Fragment weder zu Atmosphäre noch Dramaturgie oder Charakterisierung beitragen. Die im Handumdrehen cleane jugendliche Ausreißerin Felicity (Anderson) wird Joes Assistentin. Bevor er Gott fand, war Joe Soldat in Vietnam, wo er seine Frau kennenlernte. Also noch eine Ladung exotistische Klischees. In einer Episode wird statt mit Drogen plötzlich mit Kinderorganen gehandelt. War das Ganze ursprünglich als Serie gedacht? So ist es zumindest schneller überstanden.
Fazit
Al Pacino und Kiefer Sutherland chargieren sich durch Barthélémy Grossmann dumpf zusammengewürfeltes Spektakel, ohne die christlich-konservative Mafia-Moralmär erträglicher zu machen. Die Action bleibt fade, Suspense und Atmosphäre kommen nie auf. Der Humor ist so abgenutzt wie die narrativen Bruchstücke. Luc Bessons Genre-Kino fungiert hier nur als kreativitäts- und kunstlose Geldmaschine. Konfuser, klerikaler und konservativer ist nur Angel Studios. Aber auch nur ein wenig.
Autor: Lida Bach