7.5

MB-Kritik

Frantz 2016

Drama – Germany, France

7.5

Paula Beer
Pierre Niney
Ernst Stötzner
Marie Gruber
Johann von Bülow
Cyrielle Clair
Alice de Lencquesaing

Inhalt

"Frantz" spielt kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dreht sich um die junge Deutsche Anna, die um ihren in Frankreich gefallenen Verlobten trauert, und einen mysteriösen Franzosen, der das Grab des Gefallenen besucht und Blumen niederlegt.

Kritik

meldet sich zurück. Der französische Regisseure, der mit Filmen wie Sitcom, 8 Frauen oder Swimming Pool auf sich aufmerksam machte und seit mehr als zwei Dekaden zu den ganz großen seines Faches gehört, hat sich mit seinem neuesten Film Frantz aus seiner Heimat herausgewagt. Die deutsch-französische Co-Produktion spielt weitestgehend in Deutschland und behandelt die Thematik der Vergebung, aber auch der Trauerbewältigung. Zwei Dinge, die nicht gerade selten eng miteinander verzahnt sind.

Im Zentrum des Films steht die  junge Witwe Anna (, Das finstere Tal). Nachdem Tod ihres Verlobten im ersten Weltkrieg trägt sie ihre Trauer umher, bis ein junger Franzose, Adrien (Pierre Niney, Yves Saint Laurent) auftaucht, der erzählt ein Freund ihres Fast-Gatten gewesen zu sein und sich nach und nach ins Leben von Anna und ihren Schwiegereltern einschleicht. Zu Beginn stößt der Fremde noch auf Ablehnung. Die Schmach der Niederlage sitzt bei den meisten noch tief und Frantz Eltern frönen ganz und gar der fremdenablehnenden Verbitterung - genau wie die anderen Stadtbewohner. Doch rasch kann Adrien Anna und ihre Schwiegereltern für sich einnehmen, besitzt er doch etwas, wonach sie in ihrer unbändigen Trauer gieren: ein Stück noch unbekannte Erinnerung von Frantz.

Dadurch  entsteht zwischen Adrien, Anna und deren Schwiegereltern ein reger Austausch und schon bald, so scheint es, wird Adrien wie ein Ersatzsohn behandelt. Das bürgt allerdings einiges Schwierigkeiten. Zum einen sind die Bürger der kleinen Stadt dem jungen  Franzosen spinnefeind, zum anderen trägt Adrien ein Geheimnis in sich, welches ihn plagt und die neue, familiäre Harmonie gefährdet. Welches  Geheimnis das ist, soll nicht verraten werden. Regisseur Ozon bittet im Presseheft zu Frantz darum. Diesen Gefallen werden wir ihm erweisen, wollen aber auch klar stellen, dass das Geheimnis sich schon von Beginn an abzeichnet und letztlich weder ein großen Aha-Moment, noch Fassungslosigkeit generiert.

Doch Ozon ist zu sehr Profi, um die Geschichte voll und ganz  auf eine einzige Überraschung auszulegen. Sein Frantz ist eine inszenatorisch interessante  Abhandlung über die Trauer und Ozon präsentiert uns in statischen Bildern einen Abriss über die Facetten dieser. Das ist, vor allem vom Spiel der Darsteller, stellenweise befremdlich theatralisch und dennoch, seine Wirkung verfehlt es selten. Es liegt in der Einfachheit der gesprochenen Worte und dazugehörigen Gestiken. Ozon versucht seinen Spielfilm universell verständlich zu machen. Dafür nutzt er auch den  Trick, die Schwarzweißbilder immer wieder einzufärben, wenn Glück und Zufriedenheit scheinbar einkehr gefunden haben.

Das wirkt stellenweise immer etwas zu gewollt, manchmal sogar hölzern und dennoch verleiht es dem Film eine Kraft, die die gesamte Geschichte vorantreibt. Obendrein entwirft Ozon so auch wunderbar, kunstvolle Szenerien, die mehr als einmal auch Ebenen der Suggestion öffnen, die man als Zuschauer selbst erforschen muss, was Frantz einen unglaublichen Mehrwert beschert.

Fazit

Statisch, aber dennoch ambitioniert und hochgradig kunstvoll nähert sich François Ozon der Thematik der Trauer. Mag sein, dass das alles immer ein gutes Stück zu überzogen wirkt, sein Ziel verfehlt „Frantz“ aber zu keiner Zeit. Dies macht aus dem Drama ein starkes Stück europäisches Kino, dass zwischen den Zeilen zum erkunden einlädt.

Autor: Sebastian Groß
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