Die Minions gehören zu jenen Figuren, bei denen sich die Begeisterung vieler Filmfans meist in Grenzen hält. Seit Jahren lebt das Franchise von seinem bewährten Mix aus Slapstick, Hektik und bewusst überdrehtem Unsinn. Umso überraschender ist es, dass ausgerechnet Minions & Monster über weite Strecken einen Weg einschlägt, der deutlich interessanter ausfällt als das übliche Chaosprogramm. Der neue Ableger bleibt zwar fest in den Grenzen seiner Marke verankert, offenbart dabei aber eine unerwartete Liebe zur Filmgeschichte – und sorgt damit für eine der größeren Überraschungen im Animationskino dieses Jahres.
Die Handlung führt die gelben Chaoten ins Hollywood der 1920er-Jahre. Dort träumen sie davon, ihren eigenen Monsterfilm auf die Beine zu stellen und geraten mitten hinein in die aufregenden Anfangstage der Filmindustrie. Das klingt zunächst nach einer dünnen Ausrede für die nächste Ansammlung von Gags. Tatsächlich entwickelt sich daraus jedoch etwas, das deutlich mehr Charme besitzt als erwartet.
Die Minions als Erben der Stummfilmstars
Vor allem die erste Hälfte des Films entfaltet eine Qualität, mit der kaum zu rechnen war. Statt sich ausschließlich auf Klamauk zu verlassen (den es natürlich in Hülle und Fülle gibt), taucht Minions & Monster mit sichtbarer Begeisterung in die Welt des frühen Hollywoods ein. Dabei entsteht nicht nur eine Kulisse für die Handlung, sondern eine regelrechte Liebeserklärung an die Stummfilmära.
Besonders für Cineast*innen gibt es hier erstaunlich viel zu entdecken. Anspielungen auf Charlie Chaplin, Buster Keaton, Harold Lloyd oder Georges Méliès ziehen sich durch zahlreiche Szenen. Immer wieder finden sich Verweise auf historische Filmaufnahmen, legendäre Gags oder die Arbeitsweise der damaligen Traumfabrik. Diese Referenzen wirken dabei selten wie bloße Pflichtübungen. Der Film integriert viele seiner Verbeugungen erstaunlich organisch in die Handlung, auch wenn man nie wirklich vergisst, was das hier eigentlich für eine Produktion ist.
Die größte Stärke des Films: Die Minions und die Stummfilmzeit passen nahezu perfekt zusammen. Eigentlich waren die gelben Figuren schon immer moderne Stummfilmkomiker. Ihre Geschichten funktionieren über Körpersprache, Mimik und visuelle Pointen. Die berühmte Fantasiesprache ist letztlich nur Beiwerk. Selbst ohne Dialoge wäre meist problemlos verständlich, was die Figuren antreibt oder worauf ein Gag hinausläuft. In den 1920er-Jahren wirken die Minions deshalb weniger wie Besucher einer fremden Epoche als vielmehr wie ihre natürlichen Bewohner.
Hinzu kommt, dass der Film überraschend viel Interesse an den Mechanismen des Filmemachens zeigt. Alte Kameras, Filmrollen, Studiobauten und die Umstellung vom Stumm- zum Tonfilm werden immer wieder aufgegriffen. Natürlich geschieht das in vereinfachter Form und stets mit Blick auf ein junges Publikum. Dennoch steckt in diesen Momenten eine Begeisterung für das Medium Kino, die man einem Minions-Film kaum zugetraut hätte.
Wenn der Zauber dann doch verblasst
Gerade weil der Auftakt so gelungen ist, fällt die zweite Hälfte umso deutlicher ab. Sobald die titelgebenden Monster stärker in den Mittelpunkt rücken, verabschiedet sich der Film zunehmend von seinem filmhistorischen Ansatz und kehrt zu vertrauteren Mustern zurück. Das bedeutet nicht, dass der Spaß abrupt verschwindet. Es gibt weiterhin gelungene Einfälle, einige amüsante Sequenzen und genügend turbulente Action für das Zielpublikum.
Allerdings wirkt die Geschichte nun deutlich beliebiger. Während die erste Hälfte überraschend fokussiert und liebevoll erzählt erscheint, setzt die zweite verstärkt auf das übliche Minions-Rezept aus Hektik, Chaos und absurder Eskalation. Viele Ideen werden nur angerissen, manche Handlungsentwicklungen wirken unnötig konstruiert und die zuvor so präsenten Filmreferenzen treten spürbar in den Hintergrund.
Dabei zeigt sich auch, wie viel mehr in dem Konzept gesteckt hätte. Die Reise durch das frühe Hollywood entfaltet so viel Charme, dass man sich zeitweise wünscht, der Film würde diesen Weg konsequenter verfolgen. Stattdessen entsteht das Gefühl, als würden zwei unterschiedliche Filme miteinander konkurrieren: eine liebevolle Hommage an die Geschichte des Kinos und ein klassisches Minions-Abenteuer.
Überraschend sympathisch
Trotz dieser Schwächen hinterlässt Minions & Monster einen bemerkenswert positiven Eindruck. Das liegt vor allem daran, dass die erste Hälfte lange nachhallt. Die Begeisterung für die Frühzeit des Films, die zahlreichen cineastischen Details und die Erkenntnis, wie hervorragend die Minions in die Welt des Stummfilms passen, verleihen dem Abenteuer eine Eigenständigkeit, die den Vorgängern häufig fehlte.
Natürlich bleibt auch dieser Film ein Produkt seiner Marke. Wer mit den Minions grundsätzlich nichts anfangen kann, wird vermutlich nicht plötzlich zum Fan werden. Wer jedoch bereit ist, sich auf das ungewöhnliche Setting einzulassen, bekommt eine überraschend charmante Hommage an die Ursprünge Hollywoods serviert.
Schade nur, dass Minions & Monster seinem stärksten Einfall nicht bis zum Schluss vertraut. Die ersten 45 Minuten zeigen, wie clever, liebevoll und sogar ein wenig inspirierend ein Minions-Film sein kann. Die zweite Hälfte erinnert dann daran, warum man ursprünglich mit deutlich geringeren Erwartungen ins Kino gegangen ist. Gerade deshalb bleibt vor allem eines hängen: die unerwartete Freude darüber, dass ein Minions-Film überhaupt Anlass zu dieser Erkenntnis liefert.