1.0

MB-Kritik

Oh La La 2 - Neue Teste, neues Chaos 2026

1.0

Inhalt

Nachdem Frédéric und Gérard die Wahrheit über ihre Herkunft gerade erst verdaut haben, wollen sie das Kriegsbeil begraben und gemeinsam die Hochzeit ihrer Kinder planen. Doch schon sorgt die nächste Enthüllung für Chaos: Ein plötzlich auftauchender Cousin und ein neuer DNA-Test wirbeln alles ordentlich durcheinander und stellen die Testergebnisse noch einmal komplett auf den Kopf. Schnell wird klar: In diesen Stammbäumen steckt noch jede Menge Sprengstoff! 

Kritik

Manchmal fragt man sich, warum Fortsetzungen entstehen. Dann gibt es Filme wie Oh La La 2, die diese Frage nicht nur aufwerfen, sondern sie einem mit der Eleganz eines Vorschlaghammers direkt ins Gesicht schleudern. Die Antwort lautet vermutlich: weil der erste Teil genug Geld eingespielt hat. Künstlerische Gründe lassen sich jedenfalls weder finden noch erahnen.

Noch schlimmer als der bereits unausstehliche Erstling

Schon der Vorgänger war eine unerquicklich plumpe Komödie, die kulturelle Klischees für Humor hielt und jede Pointe mit der Feinfühligkeit eines Presslufthammers vortrug. Doch wo Oh La La - Wer ahnt denn sowas? zumindest noch den Anschein einer Idee besaß, wirkt die Fortsetzung wie die verzweifelte Wiederholung eines Witzes, der bereits beim ersten Erzählen nicht funktioniert hat. Das Konzept bleibt identisch: DNA-Tests bringen familiäre Wahrheiten ans Licht, woraufhin französische Patriarchen (ganz vorne mit dabei der mittlerweile nicht mehr zum aushaltende ) entsetzt feststellen, dass sie nicht ausschließlich französisch genug sind. Der Film hält diese Erkenntnis offenbar für eine Goldgrube komödiantischer Möglichkeiten. Tatsächlich ist sie vor allem eines: erschreckend unerquicklich.

Die Handlung bewegt sich dabei mit der Zielstrebigkeit eines Einkaufswagens mit kaputtem Rad. Figuren treffen Entscheidungen, die keinerlei Sinn ergeben, nur damit die nächste Gag-Situation stattfinden kann. Konflikte entstehen aus dem Nichts und verschwinden ebenso schnell wieder. Beziehungen verändern sich von Szene zu Szene nach den Bedürfnissen des Drehbuchs. Wer hier nach Logik sucht, könnte ebenso gut versuchen, in einem Pudding eine Autobahn zu bauen.

Besonders unerquicklich ist dabei die erschreckende Ideenarmut. Statt neue Einfälle zu entwickeln, recycelt Oh La La 2 die Gags des Vorgängers beinahe eins zu eins. Wo einst ein geheimes Deutschland-Zimmer für billige Lacher sorgen sollte, gibt es nun andere nationale Themenräume. Wo zuvor über Herkunft gewitzelt wurde, wird erneut über Herkunft gewitzelt. Der Film bewegt sich dabei in einer Endlosschleife aus Wiederholung, Selbstkopie und kreativer Erschöpfung.

Keine Ideen, keine Vision, kein Timing

Am härtesten trifft es dabei die Figuren. Vor allem die Sylvie Testud (Suspiria) als Nicole wird erneut zur wandelnden Karikatur degradiert. Ihr gesamter Charakter besteht daraus, möglichst dümmliche Englischfehler zu machen. Wenn ein Film des Jahres 2025 glaubt, dass Wortspiele auf dem Niveau von "Thank you" und "Fuck you" ausreichen, um Lacher zu erzeugen, dann offenbart das weniger über die Figur als über die Verzweiflung der Autor*innen.

Hinzu kommt eine Inszenierung, die wirkt, als hätte Regisseur und Autor Julien Hervé jede Form visueller Gestaltung bewusst vermeiden wollen. Szenen werden funktional aneinandergereiht, Einstellungen erfüllen lediglich den Zweck, die Schauspieler*innen irgendwie im Bild zu halten. Komödiantisches Timing? Fehlanzeige. Rhythmus? Nicht vorhanden. Visuelle Einfälle? Offenbar ebenfalls im Labor vergessen worden, das die DNA-Tests analysiert hat. Dabei wäre selbst all das noch zu verschmerzen, wenn der Film wenigstens gelegentlich lustig wäre. Tatsächlich existieren ein oder zwei harmlose Wortspiele, die ein müdes Schmunzeln hervorrufen können. Doch wenn die Höhepunkte eines 90-minütigen Komödienfilms aus zwei halbwegs funktionierenden Kalauer bestehen, spricht das Bände über den Rest.

Am unerquicklichsten bleibt jedoch die Haltung des Films. Seine Witze bestehen häufig nicht daraus, etwas über Vorurteile zu erzählen, sondern schlicht darin, dass Menschen eine bestimmte Herkunft besitzen. Die Pointe lautet oft einfach nur: "Stell dir vor, er ist Türke!" oder "Stell dir vor, sie kommt aus Algerien!" Das mag in den Köpfen der Verantwortlichen als Satire funktionieren. Auf der Leinwand wirkt es vor allem wie ein erschreckend ideenloses Sammelsurium abgestandener Klischees.

Oh La La 2 ist keine Fortsetzung, sondern ein Echo. Ein Echo eines ohnehin schwachen Vorgängers, das dessen Fehler nicht nur wiederholt, sondern konsequent verschlimmert. Eine Komödie ohne Timing, ohne Einfallsreichtum und vor allem ohne Humor. Wer nach einem Beweis sucht, dass genetische Verwandtschaft nicht zwangsläufig Qualität vererbt, wird hier fündig.

Fazit

Statt "Thank You" sagt Nicole im Film immer wieder versehentlich "Fuck You". Einer der vielen misslungenen Running Gags von "Oh La La 2" – zugleich aber die präziseste Zusammenfassung dieses Films. Denn genau diese zwei Worte möchte man diesem missratenen Leinwandausflug nach 90 Minuten am liebsten selbst entgegenrufen.

Autor: Sebastian Groß
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