MB-Kritik

Tuner 2025

Leo Woodall
Dustin Hoffman
Havana Rose Liu
Tovah Feldshuh
Jean Reno
Lior Raz
Nissan Sakira
C. S. Lee
Gil Cohen

Inhalt

Die akribischen Fähigkeiten eines talentierten Klavierstimmers beim Stimmen von Klavieren führen ihn dazu, eine unerwartete Begabung zum Knacken von Tresoren zu entdecken, was sein Leben völlig auf den Kopf stellt.

Kritik

Ein paar unterhaltsame Noten finden sich s (Navalny) komödiantischer Krimi-Komposition, die allerdings weder neu, noch sonderlich geschickt arrangiert sind. Das perfekte Gehör, das aus dem jungen Klavierstimmer Niki ( Nuremberg) einen geborenen Musiker und talentierten Safeknacker machen, fehlt ironischerweise dem Regisseur und Co-Drehbuchautor. Seine mit Robert Ramsey verfasste Story verbindet Buddy Movie, Romanze und Gangsterfilm in drei unebenen Akten, die weder für sich betrachtet noch gemeinsam so richtig funktionieren. Das Resultat ist ein tragikomisches Figurentheater, das mehr durch seinen Cast besticht als die Handlung. 

Letzte beginnt als Schaukasten für Dustin Hoffman (Megalopolis) in einer Paraderolle als Harry Horowitz, väterlicher Freund und Arbeitskollege des in sich zurückgezogenen Protagonisten. Dessen hypersensibles Gehör ist weniger Segen als Fluch, der jede Form des am New Yorker Schauplatz omnipräsenten Lärms zur Qual macht. Eine subjektive Sound-Kulisse, die nach dem feinen Klicken des Räderwerks eines Safe-Schlosses lauscht oder das Dröhnen einer Hupe maximiert, soll das Publikum in Nikis gesteigerte Wahrnehmungswelt eintauchen lassen. Doch solche akustischen Akzente fallen eher plump aus, genau wie die dramaturgischen Wendungen.

Einer der absurden Zufälle des derivativen Plots macht Niki zum Komplizen eines israelischen Einbrecher-Trios. Der joviale Anführer Uri (Lior Raz, Off Road) und seine Handlanger entpuppen sich als gefährlicher als die drei Stooges, die sie auf den ersten Blick scheinen. Niki lernt das auf die harte Tour, als Harrys Krankenhausrechnungen ihn in Geldnot bringen und er sich in Kompositionsstudentin Ruthie (Havana Rose Liu, Lurker) verliebt. Diese Entwicklungen sind so vorhersehbar wie der Ausgang und die exzentrischen Episoden, die man alle so oder ähnlich schon gesehen hat.

Fazit

Wenn der naive Hauptcharakter seiner zukünftigen Freundin die musikalischen Anleihen ihres entstehenden Musikstücks aufzählt, wirkt das wie ein unbewusstes Eingeständnis der generischen Gangart Daniel Rohers Spielfilm-Debüts. Von den flapsigen Dialogen über die kauzigen Charaktere bis zu den ironischen Intermezzi mit New Yorks pseudo-kultivierter Elite ist das gefällige Gaunerstück ein Konglomerat aus bewährten Tropen und Klischees.  Die meisten davon sind so angestaubt wie die Gender-Bilder, die sämtliche weiblichen Figuren in fürsorglichen oder dekorativen Rollen marginalisieren. Charmantes Schauspiel und trockener Humor überspielen nur bedingt die dramaturgischen Dissonanzen. 

Autor: Lida Bach
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