Inhalt
In einer postapokalyptischen Welt wird dem vermeintlich letzten Menschen der Zugang zu seinem überlebenswichtigen Zuhause verwehrt.
Kritik
Aus Polen stammende Science-Fiction-Filme sind eher Mangelware. Klar, es gibt sie – zum Beispiel in Form von Werken wie O-Bi, O-Ba: The End of Civilization, Ga-ga: Glory to the Heroes oder Golem. Aber wirklich viele sind es nicht. Und jene, die existieren, dürften wohl nur den eingefleischtesten Sci-Fi-Fans bekannt sein. Möglicherweise ist letzteres darauf zurückzuführen, dass sich polnische Produktionen vorrangig philosophisch präsentieren und weniger auf Spektakel setzen. Eine Ausrichtung, an der sich auch Regisseur Piotr Biedron mit seinem 2023 fertiggestellten Langfilmdebüt orientiert hat. Auf den Titel The Last Spark of Hope lautend, zeichnet sein Werk ein äußerst ernüchterndes Bild der Zukunft, das nicht bloß aufgrund der Bildsprache an Werke wie den aus den USA stammenden Finch oder die spanisch-bulgarische Koproduktion Automata erinnert. Und das bei einem überschaubaren Budget von umgerechnet gerade einmal knapp 280.000 USD, die – so viel sei schon mal verraten – überraschend effizient eingesetzt wurden.
The Last Spark of Hope beginnt damit, dass uns vom Verfall unseres Planeten und dem damit verbundenen Niedergang der Zivilisation berichtet wird. Schuld an der Misere ist selbstverständlich einmal mehr der Mensch selbst. Dieser hat es geschafft dafür zu sorgen, dass die Welt in einen dichten, giftigen Dunstschleier gehüllt ist. Doch es gibt eine Überlebende. Denn auf einem kleinen, staubigen Hochplateau, wo freies Atmen dank ausreichend Höhenmetern nach wie vor möglich ist, lebt die von Magdalena Wieczorek (Zadra) verkörperte Ewa – der womöglich letzte Mensch auf Erden. Das Leben der jungen Frau verläuft unspektakulär. Sie kümmert sich um ihre Pflanzen, führt Reparaturen durch und manchmal legt sie ihr Atemgerät an, um in die nahegelegene Geisterstadt zu fahren, wo sie in den menschenleeren Gebäuden nach brauchbaren Materialien sucht. Ewa ist einsam, aber sie ist nicht allein. Bei ihr „lebt“ ein ehemaliger Kampfroboter der 3. Generation.
Robert – so der Name des Roboters – wurde von ihrem Vater einst darauf programmiert Ewa zu beschützen. Außerdem gebietet ihm seine Programmierung, dass er täglich um ihr rostiges Zuhause patrouilliert und ausschließlich jene näher kommen lässt, die das korrekte Passwort nennen. Angesichts der aktuellen Situation eine sinnlos anmutende Aufgabe, der er nichtsdestotrotz bedingungslos nachgeht. Er ist es auch, mit dem sie Unterhaltungen führt. Die beiden sprechen über alltägliche Dinge, über Witze oder stellen sich gegenseitig Rätsel. Nur so richtig befriedigend ist das für Ewa nicht. Robert ist nun mal lediglich eine Maschine, deren Antworten pragmatisch ausfallen und der es an menschlichen Emotionen mangelt. Das kann von Zeit zu Zeit schon frustrieren. Nicht nur frustrierend, sondern lebensbedrohlich wird es, als Ewa einen Passwortwechsel versäumt. Denn obwohl Robert seine Schutzbefohlene erkennt, verweigert er ihr auf einmal den Zutritt zu ihrem Habitat.
Anhand des Handlungsverlaufs könnte man meinen, dass nun eigentlich ein actiongeladener Kampf Mensch gegen Maschine einsetzen müsste. Aber dem ist nicht so. Stattdessen verfolgt Biedron mit seinem in triste Brauntöne gekleideten Film einen geerdeten, realistischeren Ansatz. Und unbewaffnet gegen einen bewaffneten Kampfroboter zu Felde zu ziehen wäre alles andere als wirklichkeitsnah. Vielmehr ist es so, dass The Last Spark of Hope die meiste Zeit über an ein Kammerspiel erinnert. Das kleine, überschaubare Hochplateau dient dabei als Hauptschauplatz und wird nur für zwei kurze Ausflüge, in denen sich die Welt dann ein wenig öffnet, verlassen. Dies wie auch der budgetfreundliche Nebelschleier, der den Blick auf die Welt unterhalb von Ewas Zuhause verwehrt, unterstützen das Gefühl der Isolation sowie der Einsamkeit. Für die passende Klangkulisse sorgt derweil ein stimmungsvoller Synthiescore, der sich – wann immer nötig – unheilvoll dröhnend präsentiert.
Die Entscheidung den Film „klein“ zu halten anstatt durch halbgare CGI-Effekthascherei auf simulierte „Größe“ zu setzen war weise und sorgt dafür, dass The Last Spark of Hope atmosphärisch auf ganzer Linie zu punkten vermag. Positiv zu erwähnen ist zudem das Design des Roboters. Dieser erinnert vom Erscheinungsbild her an WALL·E bzw. Nummer 5 aus Nummer 5 lebt!. Das wirkt einerseits erfrischend minimalistisch, bietet andererseits aber auch einen wirkungsvollen Kontrast. Wenn Robert auf seinen Ketten beinah unbeholfen durch die Gegend juckelt, dann erscheint das tapsig, um nicht zu sagen komisch-amüsant. Wie soll diese kleine Blechbüchse ein Kriegsroboter gewesen sein? Umso erschreckender ist es dann, wenn er erste Warnschüsse abgibt und Ewa mit stoischer, maschinenkalter Ruhe den Zugang zu ihrem überlebenswichtigen Zuhause verwehrt. Und wo wir gerade bei Ewa sind: die primär im Fernsehbereich aktive Magdalena Wieczorek macht einen sehr ordentlichen Job. Ob Frustration, Verzweiflung oder blankes Entsetzen - man nimmt ihr jede Emotion ab.
Worauf bislang noch gar nicht eingegangen wurde, sind die über dem Ganzen schwebende ökologische Botschaft sowie die Mahnung vor Gefahren, die technischer Fortschritt trotz der damit verbundenen Vorteile potenziell in sich birgt. Beides hat innerhalb der Science-Fiction eine lange Tradition, wurde allerdings bereits um ein Vielfaches eindringlicher behandelt. Beispiele hierfür wären Werke wie Soylent Green, The Road, Silent Running (ökologischer Verfall) sowie 2001: A Space Odyssey, Matrix oder Ex Machina (Technikkritik). Bei Biedron – der das Drehbuch selbst verfasst hat – dient beides eher als mahnender Überbau. Klammert man beide Aspekte einmal aus, so erzählt uns The Last Spark of Hope im Kern (überspitzt formuliert) die Geschichte einer Frau, die sich versehentlich „ausgesperrt“ hat und nun nicht mehr in ihr Haus gelangt – wobei dies packender ausfällt, als es jetzt vielleicht klingen mag. Auf allzu viel philosophischen Tiefgang sollte man sich daher also lieber nicht einstellen.
Zu fesseln vermag The Last Spark of Hope trotzdem – zumindest über weite Strecken hinweg. Problematisch wird es im letzten Drittel, da der Geschichte zu diesem Zeitpunkt dann doch zunehmend die Luft ausgeht und der Eindruck entsteht, dass Biedron verzweifelt auf eine langfilmtaugliche Laufzeit (von rund 80 Minuten) kommen wollte. Beispielhaft hierfür ist ein – an dieser Stelle bewusst vage gehaltenes – Vorhaben der Protagonistin, das zwar stimmungsvolle Bilder liefert, im Endergebnis aber vielmehr wie Zeitschinderei als wie ein sinnhaftes, das Geschehen bereicherndes Handlungselement wirkt. Wieder zu versöhnen weiß dafür das angenehm entschlossene Ende des Films, auch wenn die Erkenntnis bleibt, dass die zugrunde liegende Prämisse als Kurzfilm oder 50-minütige Folge eines Serienformats wie Love, Death & Robots eine bessere Figur gemacht hätte. Sehenswert ist The Last Spark of Hope dennoch.
Fazit
Mit seinem Langfilmdebüt entführt uns der polnische Regisseur Piotr Biedron in eine postapokalyptische Zukunft. Sein über weite Strecken an ein Kammerspiel erinnerndes Werk überzeugt dabei vorrangig durch eine dichte Atmosphäre, die – so vereinnahmend sie auch sein mag – allerdings nicht verbergen kann, dass dem Film hintenraus ein Stück weit die Puste ausgeht. Wer Dystopien mag und auf Action weitestgehend verzichten kann, bekommt hier nichtsdestotrotz einen lohnenswerten Genrebeitrag geboten.
Autor: Constantin Wieckhorst